Hilfe, dem HTV laufen die Leute davon

Hilfe, dem HTV laufen die Leute davon

27. Mai 2019

Befristungen, Vertretungen, Renteneintritt, einvernehmliche Auflösungen, aber auch Kündigungen – Bewegung in der Belegschaft ist normal und in vielen Unternehmen kommen und gehen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Wenn aber immer mehr Mitarbeiter*innen von selbst kündigen, sollten bei den Führungskräften sämtliche Alarmglocken läuten. Zwar hat ein Chef keinen Einfluss darauf, wenn Beschäftigte kündigen, weil sich ihre Lebensumstände verändert haben. Wenn aber Mitarbeiter*innen kündigen, weil sie unzufrieden sind und der Arbeitgeber nichts versucht, um gute Leute zu halten, liegt sehr wahrscheinlich im Unternehmen etwas im Argen.

Seit Anfang des Jahres haben bereits fünf Mitarbeiter*innen – drei Tierärzte, eine Tierpflegerin und eine Allround-Kraft – das Tierheim in der Südertraße verlassen – teils freiwillig, teils unfreiwillig… Und bis Ende Mai wird es weitere sechs Abgänge geben:

  • eine Mitarbeiterin geht in den Ruhestand
  • ein Mitarbeiter hat nach Abmahnung gekündigt
  • eine Tierpflegerin hat nach über 25 Jahren gekündigt
  • eine Mitarbeiterin hat während der Probezeit gekündigt, weil ihr der Umgang mit den Mitarbeiter*innen nicht gefiel
  • einer Mitarbeiterin wurde der befristete Vertrag nicht verlängert
  • ein Azubi hat das Übernahmeangebot abgelehnt

Darüber hinaus gehen zwei Mitarbeiterinnen in den nächsten Tagen in den Mutterschutz.

Nachdem bereits in jüngster Vergangenheit auffiel, dass regelmäßig durch Urlaub oder Krankheit etwa die Hälfte des knapp 60-köpfigen Personals fehlt, sind Sorgen um die Versorgung der über 1.200 Tiere durchaus angebracht. Schon jetzt gehen die Mitarbeiter*innen auf dem Zahnfleisch und können trotz allen Engagements den Tieren nicht mehr so gerecht werden, wie sie es eigentlich verdient hätten. Mal ganz abgesehen von den oft zeitaufwendigen Beratungsgesprächen bei der Vermittlung der vierbeinigen und gefiederten Schützlinge.

Auch wenn jetzt eine neue Tierpflegerin ihren Job antritt, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten, da potentielle Mitarbeiter*innen vor dem Tierheim Schlange standen, längst vorbei sind. Das miese Klima und der nicht mehr zeitgemäße Führungsstil im Tierheim scheinen sich herumgesprochen zu haben, so dass das Tierheim nicht mehr als attraktiver Arbeitgeber gesehen wird.

Gute Vorgesetzte feuern ihre Mitarbeiter an – schlechte Vorgesetzte heizen ihren Mitarbeitern ein

(Jürg Meier, Lehrbeauftragter für Qualitätsmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel)

 

Foto: Gerd Altmann/Pixabay 

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