Offener Brief an die Kollegen

28. Mai 2019

Nach 18 Jahren kündigt eine Tierpflegerin des HTV, weil sie das Mobbing durch Vorstand und Tierheimleitung nicht mehr ertragen kann. Vom Vorstand wird ihr daraufhin verboten, an ihren verbliebenen Arbeitstagen im Tierheim zu erscheinen. Um sich von den Kollegen wenigstens noch zu verabschieden, schreibt sie einen offenen Brief und legt ihn im Tierheim aus. Den Freunden des Hamburger Tierschutzvereins liegt dieser Brief vom 28. Februar 2019 vor und wir dürfen ihn hier veröffentlichen:

Offener Brief an die Mitarbeiter des Hamburger Tierschutzvereins!

Liebe Kollegen,

schon als Kind habe ich in einem Tierheim geholfen, meine Schulpraktika dort gemacht, ein FÖJ und schließlich eine Ausbildung. Vor 18 Jahren habe ich hier als Tierpflegerin angefangen, habe mit Stolz die Dienstkleidung getragen und mit voller Hingabe die Tiere versorgt. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und viel dazu gelernt.

Ich habe für den Tierschutz „gebrannt“, wie man sagt! Meine große Liebe galt den „Hunden mit den dicken Köpfen“, den Reptilien und vor allem den Wildtieren. Und obwohl ich (durch den Kauf des Hofes vom HTV) betrogen und belogen wurde, (Anmerkung der Redaktion: Belogen und betrogen bezieht sich ausschließlich auf die Personalie Poggendorf) ich kurz vor der Obdachlosigkeit und dem finanziellen Ruin stand, habe ich dem Verein die Treue gehalten. Es war ja eine Person die mich „betrogen“ hat und nicht der ganze Verein, vor allem die Tiere konnten nichts dafür. Über die ganze Zeit habe ich Wildtiere aus dem Tierheim mitgenommen, aufgepäppelt und ausgewildert. Teilweise habe ich über 300 Tiere pro Jahr zu Hause ehrenamtlich gepflegt. Ein „Dankeschön“ und ich rede nicht von Geld oder Geschenken, sondern einfach mal ein nettes Wort habe ich nie geerntet. Im Gegenteil, es wurde nachgeforscht ob ich nicht zu viel Futter mitnehme! Naja, wenn man 100 Wildentenjunge mit nach Hause nimmt braucht man in der Woche einen Sack Futter, ist doch logisch oder?  Über 10 Jahre lang habe ich den HTV in der Öffentlichkeit präsentiert, war die einzige Tierpflegerin die sogar Autogrammkarten hat. Wurde immer wieder darauf angesprochen was für ein Fachwissen ich habe und wie toll ich mit den Tieren umgehe und „rüber komm“! So etwas scheint wohl nicht mehr erwünscht! Niemals habe ich im TV oder Radio ein schlechtes Wort über den HTV verloren. Ich war selten krank, hab teilweise obwohl ich körperlich krank/verletzt war gearbeitet, z.B. in der Tierschutzberatung, bin immer länger geblieben wenn Not am „Mann“ war, hab Urlaub oder DV Tage verschoben oder unterbrochen, hab Vor- oder Nachkontrollen gemacht, Kontakte zu anderen Vereinen gepflegt, Werbung für den Verein gemacht.

Leider haben sich die Verhältnisse und vor allem der Umgang mit den Angestellten sehr verschlechtert! Richtig entsetzt war ich, als mir ein paar Tage (im Februar 2016!!) „unbezahlter Sonderurlaub“ nicht genehmigt wurde (obwohl es möglich gewesen wäre und bereits in den Abteilungen abgesprochen war), als ich nebenbei eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht habe. Mit 19 anderen Personen habe ich den Lehrgang besucht, ich war die einzige, die nicht mal 1 Tag „Frei“ bekommen hat. Alle anderen Firmenleitungen unterstützen es, sind stolz auf ihre Mitarbeiter, wenn jemand ehrenamtlich lernt, wie man Menschenleben rettet! Denn jeder kann mal in eine Lage kommen wo er Hilfe benötigt! Diese Entscheidung war, nicht nur für mich, moralisch absolut verwerflich! Der Rettungssanitäter sollte nur für ehrenamtliche Tätigkeiten sein, hätte dem HTV aber auch Vorteile gebracht! Das ist aber leider wohl nicht erwünscht! Dann wurde ich nach Jahren aus „meiner“ Abteilung versetzt, durfte Aufgaben, die ich jahrelang zur vollsten Zufriedenheit erledigt hatte, plötzlich nicht mehr machen. Die Kollegen und Tierärzte kämpften, damit ich wieder zurückkomme, leider ohne Erfolg, obwohl ich dringend in der Abteilung gebraucht worden wäre. Eine Versetzung in eine andere Station/Abteilung wäre an sich kein Problem für mich gewesen, wenn man ordentlich mit mir gesprochen hätte, aber nicht auf die Art und Weise wie es geschehen ist! Da viele von euch mir sehr ans Herz gewachsen sind, ist es für mich umso unerträglicher, wie ihr teilweise behandelt werdet! Ich hoffe, dass möglichst schnell ein Umdenken der Leitung/des Vorstandes erfolgt, damit man wieder ordentlich arbeiten und zusammen wirken kann! Ein Arbeitgeber, der es nicht verstanden hat, dass seine Mitarbeiter das wichtigste Gut sind, hat es nicht verstanden eine Firma zu führen!

Ich liebe diesen Job, ich habe für den Tierschutz gebrannt, aber die Methoden die hier angewendet werden, möchte ich nicht weiter erdulden und erst recht nicht unterstützen! Außerdem musste ich in den letzten Monaten feststellen, dass nicht nur die Mitarbeiter hier leiden müssen, sondern dass auch die Tiere teilweise nicht mehr so behandelt/gepflegt werden, wie es sonst eigentlich üblich war. Man kann den Tierpflegern keinen Vorwurf machen, es herrscht einfach ein viel zu großer Personalmangel, ihr könnt eure Arbeit gar nicht mehr schaffen. Der hohe Krankenstand ist für mich auch kein Wunder, zumal auch ich im Jahr 2017/18 zu den „viel Kranken“ gehörte! Wenn Lebewesen, egal ob Tiere oder Menschen, unter einem ständigen Druck/Stress stehen, dann passieren nicht nur Unfälle, dann ist auch das Immunsystem runter und dann wird man schneller krank und langsamer gesund!

An dieser Stelle möchte ich gerne Frau Gulla zitieren, die vor zwei/drei Jahren, auf einer Versammlung äußerte: „Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken!“ (es ging um eine Auffangstation in Rumänien, die aufgrund der Leitung nicht so gut lief).   Solange hier so mit den Mitarbeitern umgegangen wird, werden immer wieder gute Leute gehen, was nicht nur sehr schade ist, sondern eine Vollkatastrophe für die Tiere! Lasst euch nicht einreden dass ihr schlecht seid, nichts könnt, nichts taugt, es ist nicht so! Lasst es nicht zu, dass über euch schlecht geredet wird, Gerüchte verbreitet werden, denn das nennt man „Mobbing“!

Da ich die letzten Tage ja nicht mehr arbeiten durfte (es wurde mir von Frau Gulla und Herrn Graff unwiderruflich untersagt und das bei dem akuten Personalmangel), hinterlasse ich diesen Brief, damit auch die Kollegen, die heute nicht da sind, meine Beweggründe für die Kündigung nach 18 Jahren verstehen! Ich wünsche Euch alles Gute!   

                          Liebe Grüße, Janet

Foto: Gerd Altmann/Pixabay 

6 Comments

  1. Oliver Schwarz

    Es ist schon bitter wenn Mitarbeiter die ihr Lebenswerk in ihrer Arbeit gefunden haben so vergrault werden. Obwohl vergrault da noch ein nettes Wort ist.
    Wie aber geht es mit dem HTV weiter? Das Tierheim bald nur noch mit Angestellten gefüllt, die ja und amen zur Vorsitzenden sagen?
    Worin wird das enden und warum beenden die Mitglieder nicht diese sich wieder anberaumende Zuspitzung „auf alle Macht bei Einzelpersonen“!
    Achja, das ist ja bereits Realität.
    @Vorstand HTV: Ich gehe davon aus das Ihnen diese Zeilen zugetragen werden, dafür scheint Personal, ob bezahlt oder ehrenamtlich, dazu sein. Also ich erwarte meine Kündigung der Mitgliedschaft, denn dann brauche ich „meiner Zunge keine Zügel mehr anzulegen“!

    1. Rene Hildebrandt

      Das brauchst du doch auch als Mitglied nicht. Gas geben und den Mund aufmachen. Solange man zahlend bzw Spender ist, hat man gewisse Mächte. Allerdings wird in diesem ,,Verein“ zuviel vom Staat zugeschossen, sodass Mitarbeiter um ihre Positionen fürchten. Wenn also jemand als Bedrohung für diese Positionen angesehen wird, muss er/sie irgendwie raus.

  2. Priem

    das klingt sehr sehr traurig u.tut mir für die Mitarbeiterin leid…
    ich hoffe,das ein neuer guter Weg gegangen wird zum Wohle der Tiere und der Menschen,die sie pflegen

  3. Elona Petersen

    Schade für die Tiere, die müssen darunter leiden und das nur weil da jemand vergessen hat oder es nie gelernt hat, wie man mit Menschen und Tiere umzugehen hat. Leider gibt es sehr viel Menschen die es durch Geld, B Kontakten,Beischlaf oder Mobbing nach oben schaffen. Ich liebe Tiere, die wahren Freunde und konnte mich immer gegen unmenschliche Menschen selbst schützen.

  4. Heika Schröter

    Unfassbar diese Zustände. Wieso gibt es immer wieder Alpha-Tiere in diesem Tierheim. Macht diesem Vorstand einen Riegel vor. Warum schauen alle nur zu. Ich erwarte hier eine baldige Entscheidung zugunsten der Tiere und Mitarbeiter!

  5. S.B

    Gutes Personal ist meiner Meinung nach unbezahlbar unersetzbar & nicht wie Dreck zu behandeln, geschweige denn zu mobben ! Aber das ist ja schließlich lange schon kein Einzelfall mehr, wie viele schon bestätigten. Ich verstehe auch nicht diejenigen, die das ganze auch aktuell noch immer mit unterstützen ! & weiterhin Lügen/Hetzen was sich die Balken biegen. Ich hoffe auf Gerechtigkeit für all die Betroffenen und zum Wohle der Triere das, das Trauerspiel + Negativschlagzeilen
    in der Süderstraße nun bald ein Ende haben & es dringend zu einer neu Besetzung kommt ! Die sowohl als auch im
    Umgang mit Mensch & Tier geeignet sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.