Es wird mit eiserner Faust regiert

1. Juli 2019

Den Freunden vom Hamburger Tierschutzverein liegt ein Leserbrief eines ehrenamtlichen Gassigängers vor, der seinerzeit aufgrund seiner Länge nicht vom Hamburger Abendblatt abgedruckt wurde. Darin erhebt der Ehrenamtliche schwerwiegende Vorwürfe gegen die 1. Vorsitzende des Vereins:

Leserbrief zu: „Kritik an Hamburger Tierschutzverein“

Ich bin heilfroh, dass endlich an die Öffentlichkeit kommt, was im Hamburger Tierschutzverein hinter Schloss und Riegel vorgeht. Als ehrenamtlich Aktiver sehe ich seit Jahren, wie sich die Lage im Verein und im Tierheim immer mehr verschlechtert und zuspitzt. Diejenigen Mitarbeiter oder Aktiven, die versuchen, etwas zu ändern, werden einzeln herausgepickt und gekündigt, gemobbt, oder untergebuttert. Da ich also wie viele andere leider Angst haben muss, mich persönlich zu äußern, finde ich es um so notwendiger, dass die Presse über Missstände berichtet. Es müssen endlich alle davon erfahren, was in ihrem Tierschutzverein vorgeht. Auch die zahlenden Mitglieder, denen vorgegaukelt wird, es sei alles toll und die Tierschutzarbeit mache ausschließlich Fortschritte! Entgegen den Behauptungen des aktuellen Vorstands geht es nicht um persönliche Verbitterung oder Frustrationen einzelner. Es geht um unser gemeinsames Ziel, die Tierliebe, und wie sowohl Mensch als auch Tier auf dem Weg dorthin behandelt werden.

Ich erlebe, wie die Tierpflege immer mehr leidet. Das Tierheim wird immer voller, das ist kein Geheimnis. Doch gleichzeitig werden erfahrene Tierpfleger gekündigt oder aus ihren Expertisebereichen wegversetzt, und das Personal wird immer knapper. Das führt dazu, dass immer mehr Aufgaben von immer weniger Menschen erledigt werden müssen. Wo macht man Abstriche? In der Pflege der Tiere? In der Kundenfreundlichkeit, wenn Interessenten für ein Tier vorbeikommen? Oder in der Arbeit hinter geschlossenen Türen, dem ganzen Papierkram, den Tierarztbesuchen etc? –

Die wenigen Pfleger, die versuchen, weiterhin die Tiere optimal zu versorgen und trotzdem gleichzeitig alle Aufgaben zu machen, zerreißen sich. Sichtlich. Der Stresslevel im Tierheimalltag ist hoch – immer schneller platzt jemandem der Kragen. Oder aber ein Interessent irrt stundenlang herum auf der Suche nach einem Ansprechpartner und geht unverrichteter Dinge wieder nach Hause, weil schlichtweg nicht genügend Personal da ist, um ihn abzufangen. Das ist kein Tierschutz mehr. Das ist Endlagerung. Ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen, die dadurch entstehen – egal ob hauptberuflich oder ehrenamtlich. Man muss ständig Angst haben, zur falschen Person ein zu kritisches Wort zu sagen.

Ich finde die rumänischen Hunde unglaublich putzig, stimme aber dem Deutschen Tierschutzbund zu, dass es nicht optimal ist, sie einfach scharenweise nach Deutschland zu holen. Auch den veganen Trend heiße ich gut – doch aber nicht auf Zwang! Leider ist kein Platz mehr für moderate Meinungen. Die Vorstandsvorsitzende Gulla regiert mit eiserner Faust, und sie versteht es, die Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen. Auch die aktuellen Rechtfertigungen, die aus der Feder des Vorstands stammen, machen mich unendlich traurig. Hier spricht keine kritikfähige Tierschützerin, die zum Wohle der Tiere agiert, wie sie so gerne behauptet. Es spricht eine trotzköpfige Person mit einer kerzengeraden Agenda-Linie, die sich mit manipulativer Wortgewalt ihren Weg freischaufeln will. Notfalls auf Kosten der menschlichen Mitarbeiter und der tierischen Insassen.

Wie traurig, den Hamburger Tierschutzverein, den ich seit Jahren liebe und der viel gute Arbeit tut, aufgrund einer egoistischen Führung zugrunde gehen zu sehen. Ich hoffe, dass die öffentliche Berichterstattung viele Menschen auf die schlechten Zustände aufmerksam macht und viele positive Veränderungen bringt.“

 

Foto: Cocoparisienne/Pixabay 

2 Comments

  1. Ingrid

    Ich find es es traurig so etwas zu lesen.. wir hatten 1989 2 Hunde aus der Süderstr. Es waren Traumhunde…doch nun Schein es sich dort so zu wandeln das man traumatisierte Hunde bekommt.. für mich sind die Zustände dort ein Alptraum..deswegen habe ich leider darauf verzichtet mir wieder ein Schätzchen von dort zu holen

  2. Hanna Büchner-Mack

    Liebe Ingrid,
    sicher leiden die Tiere extrem unter der angespannten Personalsituation – aber es gibt trotzdem immer noch ganz tolle Schätzchen dort! Je schneller sie wieder ein dauerhaftes Zuhause finden desto besser für sie.

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