Von glücklichen Hühnern

13. Juli 2019

Von glücklichen HühnernDas SpatzenCafé gilt als das Herz des Tierheims für Besucher und Aktive. Das seit geraumer Zeit komplett vegane Café lädt in aller Regel an den Wochenenden während der Tierheimöffnungszeiten zum Verweilen ein. Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Kuchenbäcker*innen sowie die Kaffee- und Kuchenverkäufer*innen ist Vorstandsbeisitzerin Selina Härtel.

Heute kam es dort zu einem Eklat. Nach halbjähriger krankheitsbedingter Pause war eine Ehrenamtliche erstmals wieder im SpatzenCafé, um die beliebten frischen Waffeln zu backen. Seit Jahrzehnten Mitglied im HTV, Mitbegründerin des SpatzenCafés und Adoptantin einiger geretteter Hühner, hatte sie sich nichts dabei gedacht, den Teig für zirka 30 Waffeln mit zwei Eiern ihrer glücklichen Hühner anzurühren. Der während ihrer Krankheit ergangene Vorstandsbeschluss, ausschließlich den Verzehr veganer Speisen und Getränke im SpatzenCafé zu gestatten, war ihr zwar bekannt. Sie ging aber davon aus, dass dieser Beschluss gegen das Tierleid gerichtet sei und somit nicht für Eier ihrer glücklichen, vom HTV geretteten Hühner gelte. Die anwesende Beisitzerin und neuerdings Veganbeauftragte bemerkte zwar das „Vergehen“, reagierte aber nicht darauf. Anstatt – wie es ihre Aufgabe wäre – die Ehrenamtliche auf die inzwischen geltenden Regeln hinzuweisen, ließ sie sich von ihr wegen ihres gerade verstorbenen Kaninchens trösten und bemitleiden. Kein Wort zu den Eiern im Waffelteig!

Später bei der Vorstandssitzung hat sie jedoch nichts Besseres zu tun, als die Ehrenamtliche anzuschwärzen. Mit durchschlagendem Erfolg: 1. und 2. Vorsitzende samt Veganbeauftragter rauschen heran, gefolgt vom Schatzmeister. Die beiden Vorsitzenden stellen die Ehrenamtliche harsch zur Rede, schreien sie vor Gästen an, während der Vierte im Bunde nur betreten daneben steht und schweigt.

Wie kann es angehen, dass zwei erwachsene Frauen, wegen zwei Eiern – noch dazu von geretteten, glücklichen Hühnern – derart die Contenance verlieren und sich gebärden wie zwei rasende Furien? Wo wäre das Problem gewesen, wenn man die Waffeln mit einem kleinen Schild „heute mit Eiern von glücklichen Hühnern“ gekennzeichnet hätte? Aber da war ja noch was! Hatte nicht die 2. Vorsitzende unlängst bei Facebook die Ansicht vertreten, dass sie selbst Eier von glücklichen Hühnern nicht essen würde, schließlich verzehre sie ja auch nicht ihre eigene Periode…

Frei nach Mahatma Gandhi:

Die Größe von Tierschützern kann man auch daran messen, wie sie ihre Mitmenschen behandeln.

Foto: Kerstin Riemer/Pixabay 

Der Beitrag wurde am 16.7.19 aktualisiert. In einer älteren Version hatten wir geschrieben, dass der Veganbeschluss der Ehrenamtlichen nicht bekannt gewesen sei. Richtig ist, dass ihr der Vorstandsbeschluss, ausschließlich den Verzehr veganer Speisen und Getränke im SpatzenCafé zu gestatten, bekannt war. Die 80-jährige Ehrenamtliche aber davon ausgegangen war, dass dieser Beschluss gegen das Tierleid gerichtet sei und somit nicht für Eier ihrer glücklichen, vom HTV geretteten Hühner gelte. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.