1. Oktober 2019

Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter im Tierheim

Mit Datum vom 1. Oktober 2019 haben die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein ein Schreiben erhalten, in dem von massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz die Rede ist:

„Eine Bekannte von mir arbeitet im Tierheim als Tierpflegerin und hat mir von den dortigen Arbeitsbedingungen erzählt. Im Tierheim wird massiv gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen und die Mitarbeiter ausgebeutet. In allen Abteilungen entsprechen die Dienstpläne nicht den gesetzlichen Forderungen.

Ich selbst arbeite in einem mittleren Unternehmen und bin dort im Betriebsrat. Natürlich habe ich meiner Bekannten geraten, den Betriebsrat des Tierheims um Hilfe zu bitten. Da sie ein Mitbestimmungsrecht haben, ist es ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass die gesetzlichen Vorgaben auch umgesetzt und eingehalten werden. Doch leider kommt von dieser Seite so rein gar nichts. Die Mitglieder scheinen sich dort nur um die Angelegenheiten eines einzelnen Kollegen zu kümmern, der selbst im Betriebsrat sitzt.

Mir sind zahlreiche Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz bekannt, z.B.

  • kein Ausgleich der Wochenendarbeit in der angegebenen Frist,
  • keine Einhaltung der 8 Stunden in der angegebenen Frist
  • keine korrekte Einhaltung der Pausenzeiten
  • keine Einhaltung der Pausen nach Beendigung der Arbeitszeit
  • keine Anrechnung und Bezahlung der tatsächlich geleisteten Arbeit während des Bereitschaftsdienstes
  • Streichung der Pause nach Beendigung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden ohne Ausgleich in der angegebenen Frist
  • bei Dienstplanänderung wegen Krankheit wird überhaupt nicht mehr auf das Arbeitszeitgesetz geachtet, sondern nur noch die Lücken gestopft usw.

Verstößt ein Arbeitgeber gegen die Vorgaben des ArbZG z.B. wegen zu langer Arbeits- oder zu kurzer Ruhezeiten, werden diese Ordnungswidrigkeiten mit einem Bußgeld von bis zu 15.000 Euro pro Verstoß geahndet. Bei Wiederholung, Vorsatz oder Gefährdung der Gesundheit und/oder der Arbeitskraft des Arbeitnehmers droht sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr ($22 und 23 ArbZG). Wie Sie sehen, ist die Nichteinhaltung keine Bagatelle und wird dementsprechend auch richtigerweise ordentlich bestraft.

Mir ist bekannt, dass nicht nur meine Bekannte, sondern auch die anderen Mitarbeiter aus Angst um ihren Arbeitsplatz sich nicht trauen, etwas gegen diese Missstände zu sagen. Auch sind die Mitarbeiter enttäuscht, dass die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden und es als Ausgleich nicht mal eine Gehaltserhöhung gibt. Während in ganz Deutschland die Gehälter Jahr für Jahr steigen, liegt die letzte Gehaltserhöhung im Tierheim viele Jahre zurück.

Eine Firma ist immer nur so gut, wie ihre Mitarbeiter, wenn aber die Motivation fehlt und Angst und Druck an der Tagesordnung sind, passiert das, was wir gerade erleben: Die Krankschreibungen und Kündigungen werden weiter steigen.

Was kann man erwarten, wenn der Vorstand mit Zitaten wie: „Die Mitarbeiter interessieren mich nicht, nur die Tiere.“ in Erscheinung tritt? Sie hat klare Prioritäten und Werte, die für ihre Arbeit ausschlaggebend sind. Es geht ihr nicht darum, andere gut zu behandeln, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Und so gibt es viele Leidtragende: Beschäftigte, Ehrenamtliche, Vereinsmitglieder und natürlich die TIERE!

Da mir die Missstände im Tierheim jetzt bekannt sind und ich auch weiß, dass die Mitarbeiter vom Betriebsrat keine Hilfe erwarten können, halte ich es für meine Pflicht, mich der Sache anzunehmen. Ich möchte die Öffentlichkeit darüber informieren, wie das Tierheim mit geltendem Recht umgeht und wie die Mitarbeiter behandelt und ausgebeutet werden.

Mir ist aus gut informierter Quelle bekannt, dass bereits vor einigen Wochen die zuständige Aufsichtsbehörde über die massiven Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz informiert worden ist. Leider scheint man da keinen Handlungsbedarf zu haben, denn es ist bis jetzt nichts passiert.

Darum werde ich diesen Brief auch an die Behörde senden und auch das Hamburger Abendblatt wird eine Kopie erhalten. Vielleicht können wir auf diesem Wege, den Mitarbeitern im Tierheim helfen und somit auch den Tieren.

Da meine Bekannte noch im Tierheim arbeitet und dort auch sehr gerne bleiben möchte, werde ich den Brief nicht unterzeichnen, da auch sie Repressalien befürchtet.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis!

Mit freundlichen Grüßen“

Anmerkung der Redaktion: Der Betriebsrat kann immer nur dann tätig werden, wenn auch Mitarbeiter*innen an ihn herantreten. Ansonsten kann er nur allgemeines Recht durchsetzen. Im HTV dauert das leider – wie bekannt – immer etwas länger. Zudem erkennt der Vorstand auch rechtskräftige Urteile nicht an, sondern provoziert gleich wieder neue auf Grundlage der bereits entschiedenen.

Foto: Gerd Altmann/Pixabay

One comment

  1. Norma Laudahn

    Diese machtbessenen vorfälle durch den Vorstand gab es schon mal in den 80 Jahren. Ich verstehe nicht das es immer wieder solche verantvortungslosen Vorstände gibt. Mir tun die armen Tiere leid und die Mitarbeiter die unter dieser knute zu leiden haben. Da müsste eine Aufsichtsperson des Hamburger Senats bestellt werden. Mfg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.