8. Oktober 2019

Eiergate zieht mediale Kreise

Eiergate zieht mediale KreiseNachdem Stern-online am 5. Oktober über das „Ei des Anstosses“ berichtet hatte, haben auch focus, shz, EpochTimes und Hamburger Morgenpost die „Hamburger Waffel-Posse“ in Ihren Online-Ausgaben aufgegriffen. Selbst eine Tageszeitung in Wien brachte eine kurze Notiz. Während der focus als Grund für den Ausschluss vom Ehrenamt schreibt: „Sie verwendete weiterhin Eier für den Teig, obwohl sie laut Verein mehrfach gebeten worden sei, vegane Rezepte zu nutzen“, bestreitet ein Sprecher des Tierschutzvereins der Mopo gegenüber, „dass der Eier-Vorfall, der Grund für das Ruhen des Ehrenamtes sei“. Dort heißt es: „Darüber habe man sich längst ausgesprochen und versöhnt. Grund sei vielmehr die wiederholte Beteiligung der Rentnerin an einer ‚Lügenkampagne‘, die Gegner des Vereinsvorstands (Anmerk. der Redaktion: gemeint sind die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein) seit Monaten im Internet betreiben würden“.

Inzwischen sind im Internet, vor allem in den sozialen Medien, kontroverse Diskussionen entbrannt, die von „selber schuld, wenn man sich wiederholt nicht an Vorgaben hält“ bis „wie kann man nur so mit einem langgedienten Mitglied umspringen“ reichen. Ganz böse Zungen behaupten sogar, dass Vera Jungclaus schon seit Jahren mangelnde Einsicht zeige, sich wiederholt nicht an Vorgaben gehalten habe und dafür sogar abgemahnt worden sei.

Also haben die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein weiter recherchiert und erneut mit Vera Jungclaus und anderen Ehrenamtlichen gesprochen. Tatsächlich hat die Mitbegründerin des Spatzencafés in den langen Jahren ihrer Mitgliedschaft noch nie eine Abmahnung erhalten und auch an Kampagnen im Internet hat sich die 80-jährige nicht beteiligt – dazu fehlen ihr schlichtweg ein PC oder wenigstens ein internetfähiges Smartphone. Beides besitzt sie nicht und deshalb ging auch die in der WhatsApp-Gruppe der Ehrenamtlichen laufende Diskussion um den Start von „vegan im Spatzencafé“ komplett an ihr vorbei.

Einem Freund vom Hamburger Tierschutzverein gegenüber räumte Vera Jungclaus ein, dass sie von dem Vegan-Beschluss Ende letzten Jahres von einem Mitarbeiter des Öffentlichkeits-Referats erfahren habe. Eier von glücklichen Hühnern seien dabei aber nicht thematisiert worden. Unmittelbar danach fiel die Mitbegründerin des Spatzencafés für mehrere Monate krankheitsbedingt aus. Im Juli nahm Vera Jungclaus die Arbeit im Spatzencafé wieder auf. In der Annahme, es ginge beim Vegan-Beschluss um den Tierschutz, glaubte sie, zwei Eier von glücklichen Hühnern wären OK. Ein ehemaliger Ehrenamtler, der die alte Dame gut kennt, sagt: „Vera ist 80 Jahre alt, gibt auch zu, schon vergesslich zu werden. Die Freundin ihres Enkels lebt ebenfalls vegan, hat allerdings kein Problem damit, Eier von ihren glücklichen Hühnern zu essen. Somit hat die alte Dame auch nicht erkennen können, dass sie mit ihren zwei Eiern einen Eklat auslösen würde“.

Wie absurd es war, eine Ehrenamtliche derart harsch in der Öffentlichkeit anzugehen, scheint inzwischen auch der Vorstand begriffen zu haben. Umso armseliger erscheint der Versuch, der Rentnerin eine Beteiligung an der Kampagne der Freunde vom Hamburger Tierschutzverein zu unterstellen. Also noch einmal chronologisch:

  • 13. Juli: das Eier-Spektakel vor mehreren Augenzeugen, die die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein informierten.
  • 16. Juli: der Entzug beider Ehrenämter im Spatzencafé und bei den Überprüfern – begründet mit der Veröffentlichung der Freunde vom Hamburger Tierschutzverein vom 14. Juli.

Fazit: Da werden einer alten Dame vor aller Augen – vor Kundschaft, Besuchern, Angestellten und Ehrenamtlichen des Tierheims Süderstraße – die Leviten wegen zwei Eiern im Waffelteig gelesen. Die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein berichten darüber – kurz, knapp und faktenbasiert – und der langjährigen Ehrenamtlichen wird die Beteiligung an einer „Lügenkampagne“ unterstellt. Da wäre der HTV-Vorstand – dessen 1. Vorsitzende übrigens erst seit dreieinhalb Jahren diesen Posten bekleidet und nicht seit acht, wie sie selber gerne von sich behauptet – doch besser bei der im focus veröffentlichten Begründung geblieben: „Sie verwendete weiterhin Eier für den Teig, obwohl sie mehrfach gebeten worden sei, vegane Rezepte zu nutzen“ – das wäre zwar nicht nachvollziehbarer, aber zumindest glaubwürdiger gewesen!

Foto: Couleur/Pixabay 

2 Comments

  1. Patrick

    „Die Freundin ihres Enkels lebt ebenfalls vegan, hat allerdings kein Problem damit, Eier von ihren glücklichen Hühnern zu essen. “
    Das ist natürlich Unsinn. Vielleicht hätte man mit der Dame sprechen und Rezeptalternativen vorschlagen müssen. Wenn die alte Frau kein Internet hat, wie hätte sie sich informieren sollen? So eine Welle wegen so einem Unfug. Ich bin selbst Veganer, aber genau solche Aktionen sorgen dafür, dass man als Veganer schon einen Nörgler-Stempel aufgedrückt bekommt, bevor man sich überhaupt geäussert hat. Kümmert Euch lieber um die armen Tiere und nicht um so einen Mist.

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