20. November 2019

Katzenjammer in der Süderstraße

Katzenjammer in der SüderstraßeKatzen werden nicht nur geliebt und verhätschelt, sie werden auch misshandelt, schlecht versorgt oder ausgesetzt. Allein in Hamburg und dem näheren Umland gibt es Schätzungen zufolge etwa 10.000 herrenlose Katzen. Sie leben „unsichtbar“ auf Friedhöfen, in Gewerbegebieten und auf unbebauten Grundstücken. Meistens kommen sie nur in der Dunkelheit aus ihren Verstecken, weil sie Angst vor Menschen haben. Das Leben dieser Straßenkatzen ist geprägt von Hunger, Erfrierungen, Krankheiten und ständiger Fluchtbereitschaft. Auch wenn sie selbst geschwächt sind, ziehen weibliche Streuner pro Jahr bis zu drei Würfe groß.

Auf seiner Website schreibt der Hamburger Tierschutzverein am 16. August 2019: „Wir nehmen jedes Jahr viele wilde Katzen bei uns im Tierheim auf – sie sind in der Regel sehr scheu und an das Leben draußen gewöhnt“. Ein fünfköpfiges Katzenrettungsteam bringe die Tiere ins Tierheim, wenn sie krank, verletzt, nicht kastriert oder sehr jung und allein nicht überlebensfähig seien. „Bei uns werden die Katzen gut versorgt, um weitere Vermehrung zu verhindern auch kastriert und schließlich an die Fundorte, sofern sie geeignet sind, zurückgebracht“.

Die Arbeit der Katzenretter ist wichtig, nur inzwischen lebt eine große Anzahl von halbwilden Katzen jeden Alters im Tierheim, die nicht an ihre Fundorte zurück gebracht werden können und für die kein neues Zuhause gefunden werden kann. Ihre Furcht vor dem Menschen liegt bei den Tieren einfach zu tief. Diese Scheu zu überwinden und ihnen wieder Vertrauen in Menschen zurück zu geben, ist sehr schwer und langwierig. Dazu benötigen sie täglich – und am besten mehrere Stunden lang – Kontakt zu Menschen. Vor dem Hintergrund der angespannten Personalsituation im Tierheim können diese Kontakte durch die Tierpfleger*innen in den Katzenhäusern nicht geleistet werden.

Aktuell (Stand 19.11.19) leben 324 Katzen im Tierheim Süderstraße – mehr als jede Zehnte stammt aus der Katzenrettung. Eigentlich sollen sich täglich 15 Tierpfleger*innen um die Samtpfoten kümmern. Doch wegen Krankheit, Urlaub oder weil sie Überstunden abbummeln tritt häufig gerade mal die Hälfte den Dienst an. Die meisten der Katzen bleiben daher „halbwild“ und sind kaum oder gar nicht vermittelbar.

Leider mangelt es auch an ehrenamtlichen Katzenvorleser*innen, die durch ihre regelmäßigen Besuche im Tierheim die Neugier der ehemaligen Streuner wecken, ihnen damit langsam aber sicher die Scheu vor dem Menschen nehmen, so dass sie in erfahrene Hände vermittelt werden könnten. Aus den Katzenhäusern ist zu hören, dass die Mitarbeiter*innen kaum noch wissen, wohin mit den Tieren und dass ihre Mahnungen – gefühlt – unbeachtet beim Vorstand verhallen. Daran ändert leider auch das Engagement einer Ehrenamtlichen wenig, die nach HTV-Angaben herrenlose Samtpfoten auf ihre Kosten in regionalen Zeitungen und Bauernblättern inseriert. Mit Texten wie „Mäusejäger – von der Straße gerettet und zurzeit notgedrungen im Tierheim – suchen einen neuen Wirkungskreis“ hat sie für einige Erfolgsgeschichten gesorgt. Aber das ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Autonome Mäusefänger, die den Menschen allenfalls als Dosenöffner und Versorger schätzen lernen, sind weitaus seltener gefragt, als Katzen, die als Sozialpartner mit dem Menschen unter einem Dach leben. Aber dazu werden die „Halbwilden“ ohne ausreichende Menschenkontakte kaum in der Lage sein. Droht ihnen womöglich das gleiche Schicksal wie den vielen Listenhunden: „Aufbewahrung“ bis zum Tod?

Helfen Sie bitte mit, für diese armen Seelen einen sicheren Für-immer-Platz auf Bauern- oder Industriehöfen zu finden, indem Sie z.B. diesen Beitrag teilen und Verwandte, Bekannte, Freunde und Kollegen bitten, sich ebenfalls umzuhören.

Foto: Mabel Amber, still incognito/Pixabay

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