Wie sich die Umstände gleichen

Das System Poggendorf – eine Gegenüberstellung

Das System Poggendorf
Sein Wort war Gesetz“, erinnerte sich eine Mitarbeiterin. Foto: HRB

Älteren Hamburgern ist er noch in lebhafter Erinnerung: Der Fall des Wolfgang Poggendorf – erst gefeiert, dann gefeuert. Nach dem Skandal fragten sich Tierfreunde in ganz Deutschland, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass eine einzelne Person einen so großen Verein über Jahre hinweg täuschen und missbrauchen konnte. Zwar geht es aktuell nicht um persönliche Bereicherung, doch auch jetzt geht den Tieren wieder sehr viel Geld durch das Machtstreben einer einzigen Person verloren! Die Beantwortung der Frage, wie es im Fall Poggendorf so weit kommen konnte, wird eindrucksvoll demonstriert durch die derzeitige Entwicklung im Tierheim Süderstraße des Hamburger Tierschutzvereins. Kritische Beobachter haben sich die Mühe gemacht, anhand alter Zeitungsberichte die Parallelen von damals und heute aufzuzeigen.

Damals: „Möglich war das über lange Zeit, weil sich die Mitglieder des „Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V.“ für Tiere und deren Schutz interessieren, sich aber weniger Gedanken um Vereinsmeierei machen. Weil es deshalb so gut wie keinerlei Kontrollmechanismen gab und jene wenigen, die Alarm geschlagen hatten, ungehört blieben, war es letztlich ein ausgesprochen günstiges Umfeld für den machtbegierigen POGGENDORF, sich den Verein gefügig zu machen.“

Heute: Ersetze Poggendorf durch Gulla.

Damals: „Es herrschte ein unangenehmes Klima. Sein Wort war Gesetz“, erinnerte sich eine Mitarbeiterin. Als Erstes sichert er sich die Loyalität einiger Mitarbeiter: „Die haben dann höhere Gehälter bekommen, oder es wurden sogar extra Positionen geschaffen“, so ein Mitarbeiter.
Im Gegenzug hatte er sie nicht nur auf seiner Seite – sie erstatteten ihm auch regelmäßig Bericht. „Die haben ihm dann immer alles, was so auf dem Gelände passierte, brühwarm berichtet. Man musste immer aufpassen, was man wem erzählte“.

Heute: Ersetze Poggendorf durch Gulla. Die frühere Tierheimleitung wurde vorzeitig bei vollen Bezügen in Rente geschickt und durch eine willfährige Hundetrainerin ersetzt. Ansonsten beschreiben obige Zeilen exakt den aktuellen Stand.

Damals: Poggendorf errichtet eine Art Schreckensregiment … Wer seine Entscheidungen nicht mitträgt oder kritisiert, wird vorgeführt.

Heute: Ersetze Poggendorf durch Gulla und ergänze: … vorgeführt, abgemahnt und/oder ausgeschlossen.

Damals: So lässt Poggendorf zum Beispiel … eine 43-Quadratmeter-Wohnung … renovieren. Der Clou im System: Einige der Handwerker treten in den HTV ein und helfen so, Poggendorfs Macht zu sichern.

Heute: Beitrittsanträgen wird nur nach Beantwortung eines Fragenkataloges (den ohnehin nur ausgewählte Antragsteller erhalten, häufig erfolgt gar keine Reaktion) eventuell stattgegeben. U.a. wird nach dem facebook-Profil gefragt, um die vorstandskonforme Gesinnung überprüfen zu können. Hingegen sind ungewöhnlich viele Verwandte, Freunde und Bekannte von Vorstandsmitgliedern unter den neueren Mitgliedern, die teilweise Hunderte von Kilometern entfernt wohnen und das Tierheim bestenfalls bei Mitglieder-Versammlungen betreten.

Damals: Keiner kann oder will Poggendorf stoppen. Die damaligen Vorstände scheinen kaum Fragen zu stellen. 

Heute: Alle vier 2016 gewählten Beisitzer haben ihr Amt niedergelegt (weil sie die unmenschliche Personalpolitik vom Vorstand nicht weiter unterstützen wollten) und wurden durch vom Vorstand bestimmte Personen ersetzt, anstatt die stimmenmäßigen Nachrücker der Wahl zu berücksichtigen.

Damals: Zur offiziellen Wahl des 1.Vorsitzenden tritt nur Poggendorf an. Dazu werden Wahlzettel mit dem einzigen Kandidaten versendet. Es gibt keine Möglichkeit gegen Poggendorf zu stimmen – also kein JA-NEIN Wahlzettel.

Heute (letzte Wahl, 2016): Ersetze Poggendorf durch Gulla.

Damals: „Er duldete weder Fehler, noch Widerstand. Es blieb auch kaum Platz für Protest, denn Poggendorf wusste alles. Er hatte überall seine Spitzel“, so ein langjähriger Mitarbeiter. Poggendorf macht kein Geheimnis aus seiner Machtposition und viele Mitarbeiter leisten „aus Angst um ihren Arbeitsplatz“ keinen Widerstand.

Heute: Ersetze Poggendorf durch Gulla.

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