25. Januar 2020

Personalmangel verursacht unzureichende Hygienemaßnahmen

unzureichende HygienemaßnahmenWährend einer Razzia im Tierheim Süderstraße des Hamburger Tierschutzvereins wurden teilweise erhebliche Mängel bei den Hygienemaßnahmen festgestellt. Die Amtsveterinäre fanden 21 an hochansteckendem Hautpilz erkrankte Katzen zwischen den gesunden Tieren. Auch Menschen können schon bei leichtem Kontakt infiziert werden.

Das sagt eine Tierpflegerin aus einem anderen Tierheim über den Umgang mit infizierten Katzen: „In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Katzen zu uns gebracht, bei denen sich herausstellte, dass sie Pilz haben. Diese Tiere wurden sofort separat gesetzt. Es durfte die Quarantäne nur in Schutzkleidung betreten werden und auch der Abwasch wurde dort erledigt. Die Wäsche wurde in einem Desinfektionsbad eingeweicht und erst anschließend gewaschen. Grund dafür ist, dass die Pilzsporen sehr resistent und auch indirekt auf andere Tiere übertragbar sind. Hinzu kommt, dass die Behandlung des Pilzes sehr langwierig ist und daher auch sehr kostenintensiv, da befallene Katzen nicht nur Medikamente bekommen, sondern zusätzlich etwa einmal wöchentlich gebadet, Salben auf befallene Stellen bekommen und auch die Räume regelmäßig mit speziellen Mitteln gereinigt werden müssen. Wenn man das alles weiß (und das gehört zur Ausbildung jedes Tierpflegers), sollte man sich im Umgang mit den Pilzkatzen entsprechend vorsichtig verhalten.“.

Katastrophaler Betreuungsschlüssel

Grund der Razzia war eine gemeldete Überbelegung bei zugleich ständig sinkendem Pflegepersonalbestand. Laut Aussage eines Tierheimmitarbeiters gegenüber der Bild-Zeitung sind dort „unter 50“ festangestellte Pflegekräfte beschäftigt. Das klingt erstmal gar nicht schlecht. Rechnet man die angenommenen 50 auf derzeit 1.280 Tiere um, kommt man auf 25 Tiere je Pfleger, was eigentlich eine ausreichende Betreuung bedeuten würde. Bei genauerem Hinsehen stellt sich die Situation jedoch erschreckend anders dar: Nur etwas mehr als die Hälfte sind Vollzeitkräfte. Aktuell sind es 27, aber vier weitere Abgänge stehen in Kürze an! Bei den anderen rund 20 Mitarbeiter*innen in der Tierpflege handelt es sich um Teilzeitbeschäftigte, ungelernte Helfer und Auszubildende. Bedingt durch Urlaub, Krankheit oder Berufsschule sind im Durchschnitt nur 25 bis 30 Tierpfleger pro Tag im Einsatz. Das ergibt einen Betreuungsschlüssel von 51 bis 43 Tieren je Pfleger. An Wochenenden und Feiertagen halbiert sich nicht nur die Zahl der Pflegekräfte, sondern auch die Arbeitszeit ist deutlich verkürzt! Wie uns berichtet wurde, standen beispielsweise kürzlich an einem Wochenende ganze 12 Arbeitskräfte vor der nahezu unlösbaren Aufgabe, 1.280 Tiere zu versorgen, was einem Betreuungsschlüssel von über 100 Tieren entspricht!

Foto: Pixabay

One comment

  1. Gaby Grunwald

    Es ist traurig,dass persönliche Animositäten und fehlende soziale Kompetenz des Führungspersonals auf dem Rücken der notleidenden Tiere ausgetragen werden.
    Die negative Aussendarstellung wird sich gewiss auf Spendenbereitschaft und das Engagement Ehrenamtlicher auswirken.
    Aber der umstrittene Vorstand muss ja seine Unterstützer haben,sonst würde er doch abgewählt werden können.
    Unverständlich!

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