Die Hand, die dich füttert …

Die Hand, die dich füttert …

Es war nicht anders zu erwarten: Nach den Schlagzeilen der letzten Wochen soll nun der Befreiungsschlag erfolgen – in Form einer Freisprechung von allen Vorwürfen durch den mächtigen Dachverband Deutscher Tierschutzbund. Das hat Gewicht, dem schenkt die breite Öffentlichkeit Glauben!

Schauen wir uns die Angelegenheit einmal genauer an: Aufgrund teilweise anonymer Hinweise erfolgten im vergangenen Jahr über 20 Kontrollen des Tierheims Süderstraße durch das zuständige Veterinäramt Hamburg Mitte – gefolgt von heftigen Vorwürfen seitens des HTV und der immer wiederkehrenden Aussage, an den Vorwürfen sei nichts dran, es sei nichts gefunden worden, alles sei Schikane. Das Veterinäramt äußerte sich in der Öffentlichkeit dazu nicht, was offensichtlich den Vorstand des HTV dazu ermutigte, gerichtlich gegen die Behörde vorzugehen und Klage wegen angeblicher Schikane zu erheben. Das Gericht sah das anders, der HTV ging (wie üblich) in die Berufung, eine Entscheidung steht noch aus.

Aufgrund von Hinweisen aus der Belegschaft des Tierheims Süderstraße kam es kürzlich zu einer nicht angekündigten Razzia. Einer der Vorwürfe: Zu viele Tiere bei zu wenig ausgebildetem Fachpersonal und daraus resultierender Notstand bei der Betreuung. Zum besseren Verständnis: Die aufsichtführende Behörde MUSS derartigen Hinweisen nachgehen. Hätte es beispielsweise Hinweise aus der Belegschaft des LPT gegeben, dann wäre sehr wahrscheinlich auch dort häufiger kontrolliert worden.

Was hat die Razzia erbracht? Eine offizielle Stellungnahme der Behörde gibt es bisher nicht. Auf Nachfrage wurde Medienvertretern bestätigt, dass kranke Tiere zwischen gesunden gefunden wurden. Dabei handelt es sich nicht nur um die 21 an Hautpilz erkrankten Katzen (die ehemalige „Pilzquarantäne“ wurde in ein Badezimmer für Hunde umgebaut). Es wurden auch Hunde mit ansteckenden Durchfallerregern zwischen gesunden Tieren festgestellt. Dieser Missstand soll inzwischen behoben sein, die erkrankten Tiere wurden separiert.

Zuletzt gibt der Deutsche Tierschutzbund (DTB) eine Pressemeldung heraus. Hintergrund: Drei Tage nach der Razzia hatte ein vom HTV ausdrücklich angeforderter Tierarzt des DTB das Tierheim in der Süderstraße besucht. Dazu heißt es in der Pressemeldung des DTB: „Dabei verschaffte er sich einen aktuellen Überblick über die Tierhaltung und überprüfte verschiedene Dokumente wie Hygieneordnung, Notfallpläne sowie die medizinische Dokumentation verschiedener Tierfälle. Die Auswertung ergab: Das Tierheim leistet vorbildliche Arbeit, es gibt keinerlei Hinweise, welche die im Raum stehenden Vorwürfe einer Vernachlässigung bestätigen würden.“ Also alles in Butter?

Wie ist diese Einschätzung zu werten, die auch bei neutraler Betrachtung nicht mit den bekannt gewordenen Ergebnissen der behördlichen Kontrolle in Einklang zu bringen ist? Dazu muss man sich folgendes vor Augen halten:

  • In drei Tagen kann man Vieles verändern – es ist ausdrücklich zu begrüßen, wenn es zum Vorteil der Tiere ausfällt.
  • „Bei der aktuellen Kontrolle haben Tierheimleitung und Tierärzte den Dachverband aktiv unterstützt“ – Wenn „aktiv unterstützt“ gleichzusetzen ist mit „herumgeführt“, dann muss man nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass die tatsächlichen Schwachstellen in diese Führung einbezogen wurden.
  • Es ist davon auszugehen, dass auch Mitarbeiter befragt wurden. Was in der Vergangenheit mit Kollegen geschah, die sich kritisch äußerten, ist ihnen bewusst …

Zu guter Letzt noch eine kleine Erläuterung, wie das Verhältnis Deutscher Tierschutzbund zum Hamburger Tierschutzverein ist: Der DTB ist ein Dachverband, dem sich viele Tierschutzvereine und Tierheime angeschlossen haben. Dafür zahlen sie Beiträge, die an der jeweiligen Mitgliederstärke ausgerichtet sind. Mit über 5.000 Mitgliedern darf man den HTV also durchaus als Schwergewicht betrachten, dessen Verbleib von Seiten des DTB sicher wünschenswert ist.

Erinnern Sie sich? Im „Fall Poggendorf“ stand der DTB noch sehr, sehr lange hinter dem damaligen Vorsitzenden…

 

Foto: Adina Voicu/Pixabay

One comment

  1. Marion Zölgert

    Auch ich habe schlechte Erfahrungen mit dem HTV gemacht . Meiner Katze sollte geholfen werden. Nach 8 Wochen habe ich sie nicht mehr zurückbekommen. Es ist eine längere Geschichte. Mit ziemlich fiesen Tricks wurde ich zur Unterschrift „überredet“. M

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