Thema Rasseliste

Thema Rasseliste

Thema RasselisteVor einigen Jahren war die Abschaffung der Rasseliste in Hamburg ein großes Thema beim Hamburger Tierschutzverein. Schließlich war es der ehemalige Vorsitzende des HTV, der maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Hamburger Hundegesetzes, mitsamt der Pauschalverurteilung sämtlicher Hunde bestimmter Rassen, hatte. Insofern muss es sich der Verein (mit) auf die Fahne schreiben lassen, dass die „Liste gefährlicher Hunderassen“ mit all‘ ihren vorgeschriebenen Konsequenzen existiert.

Insgesamt werden 15 Rassen unter Generalverdacht gestellt. Ebenso: „deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden wird die Gefährlichkeit vermutet, solange der zuständigen Behörde nicht für den einzelnen Hund nachgewiesen wird, dass dieser keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweist“. In der deutschen Rechtsprechung wird so gerne auf die Unschuldsvermutung hingewiesen, die besagt, dass kein Verdächtiger seine Unschuld beweisen muss. Das bezieht sich auf Menschen, für diese Hunde gilt das in Hamburg leider nicht. Sie müssen nur aufgrund der genetischen Herkunft einen Wesenstest durchlaufen.

Die Rassen werden in Kategorien unterteilt. Kategorie 1 und 3 werden nur aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit als widerlegbar oder unwiderlegbar gefährlich eingestuft und sind grundsätzlich im öffentlichen Raum mit Maulkorb an einer maximal zwei Meter langen Leine zu führen. Ausgewiesene Hundewiesen dürfen mit ihnen gar nicht betreten werden.

Die Haltung von Hunden der Kategorie 1 ist in Hamburg nur mit besonderer Genehmigung der Behörden gestattet. Ein bestandener Wesenstest ist Voraussetzung und selbst dann werden diese Hunde niemals von Maulkorb- und Leinenpflicht befreit. Wer dagegen verstößt, macht sich illegaler Hundehaltung schuldig und damit strafbar. Der Hund wird sichergestellt und von nun an im Tierheim Süderstraße „aufbewahrt“ – anders kann man das kaum nennen, denn die Tiere haben in Hamburg kaum eine Chance auf Vermittlung.

So kommt es leider zu jahrelangem Verbleib wie beispielsweise bei dem Rottweiler-Pitbull-Mischling Dean, der seit Februar 2015 auf ein Zuhause wartet; der Pitbull-Mischlings-Hündin Gina, seit Juni 2012 dort „zuhause“ oder dem 13-jährigen Opi Baron, einem Pitbull-Terrier-Mischling, der gerade das siebente Jahr in Gefangenschaft angetreten hat.  Derzeit befinden sich 24 vermittelbare Kategorie-1-Hunde in der Süderstraße und warten auf erfahrene, verantwortungsbewusste Interessenten aus dem Hamburger Umland.

Thema RasselisteWieviele Hunde im HTV einsitzen, die von den Behörden noch nicht zur Vermittlung freigegeben wurden, um die die Halter noch kämpfen und die noch nicht ihren Wesenstest bestanden haben, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, warum seitens des Vereins die Bemühungen um die Änderung des Hamburger Hundegesetzes eingestellt wurden.

Damit ein Listenhund, der durch behördliche Sicherstellung aus seiner Familie gerissen wurde, den Wesenstest bestehen kann, müssen erfahrene Tierpfleger*innen und ebenso erfahrene Ehrenamtliche mit ihm trainieren und arbeiten. Das ist kein einfacher Weg, denn diese Hunde müssen erst wieder Vertrauen fassen und brauchen vermehrt Zuwendung. Leider ist das bei der dünnen Personaldecke zur Zeit fast unmöglich, zumal auch nur noch wenige Ehrenamtliche sich um diese Hunde kümmern dürfen.

In drei Bundesländern wurde die Rasseliste inzwischen wieder abgeschafft, in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Viele Hundefreunde hofften, Hamburg würde nachziehen. Aber es tat sich nichts, die „Bollerköppe“, wie die Geächteten häufig liebevoll genannt werden, sind und bleiben verboten. Und das, obwohl die Nachbarländer längst den Beweis erbracht haben, dass die Aufhebung ohne negative Folgen geblieben ist. Niemand würde ernsthaft behaupten, dass beispielsweise jeder Italiener ein Mafiosi ist – aber jeder Bullterrier ist ein Killer? Es wird also Zeit, bei den Politikern in Hamburg mit Nachdruck auf die längst fällige Überarbeitung dieses hundefeindlichen Gesetzes zu drängen!

One comment

  1. Emma

    Hallo,
    viele Mitarbeiter und Ehrenamtliche des HTVs sind dankbar, dass die „Freunde“ über verschiedene Schieflagen im HTV aufklären.
    Trotzdem: bitte recherchiert genau. Ein Hund, der auf der HTV-Website den Vermerk „ich suche hier nur Paten“ hat, befindet sich auf einer Pflegestelle und nicht in „Gefangenschaft“. Ich glaube kaum, dass Herr Jugert den Opi Baron zum HTV zurückgebracht hat.

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