8. Februar 2020

Verunglimpfung einer Vorstands-Kandidatin

Janet Bernhardt, Kandidatin für den HTV Vorsitz

Derzeit wird der aussichtsreichen Kandidatin für den Vereinsvorsitz im Hamburger Tierschutzverein, Janet Bernhardt, vorgeworfen, sich während der Poggendorf-Ära auf Kosten des Vereins über einen Grundstückskauf bereichert zu haben und ein Günstling Poggendorfs gewesen zu sein. Diese Vorwürfe sind vollkommen haltlos und sollen unter offensichtlicher Duldung des amtierenden HTV-Vorstandes, aus dessen Hand die veröffentlichten Informationen stammen müssen, zur Manipulation der kommenden Vorstandswahl dienen.

Beschuldigungen via Faceboook

Auf einer Anfang Februar eingerichteten Facebookseite wird behauptet, dass

Janet Bernhardt und ihr Mann 2004 den Fichtenhof, den der HTV zuvor geerbt hatte, weit unter Wert für 17.000 Euro gekauft haben.

Die Betreiber*innen der Facebookseite verbreiten, dass

unübliche und merkwürdige Zahlungsmodalitäten vereinbart wurden, wonach nur 5.000,00 Euro angezahlt wurden und der Rest in Miniraten mit Minizinsen abgegolten werden sollten.

Weiter heißt es bei den augenscheinlichen Anhänger*innen des amtierenden Vorstands, dass:

der Fall Fichtenhof nach dem Fall Poggendorfs Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen gewesen und ein Thema in der Presse gewesen sei.

Außerdem wird der Kandidatin zur Last gelegt, dass

es seitens des HTV zu Nachforderungen der Zinsen gekommen sei, die nie gezahlt wurden.

Was tatsächlich geschah

Fichtenhof
Die Gebäude eigentlich nur noch ein Fall für die Abrissbirne.

Tatsächlich verkaufte der HTV den Eheleuten 2004 ein Grundstück für einen Kaufpreis von 17.000 Euro. Laut Gutachten wurde ein Verkehrswert von 26.000 Euro festgestellt, wobei im Gutachten darauf hingewiesen wird, dass die auf dem Grundstück stehenden Gebäude abrissreif sind und die Abrisskosten nur teilweise wertmindernd berücksichtigt worden sind. Eine Rückbauverfügung für mehrere bereits zum Kaufzeitpunkt vorhandene Nebengebäude belegt zudem, dass deren Abrisskosten nicht berücksichtigt wurden, also eine weitere Wertminderung verursachten.

Zu dieser Zeit waren Mitarbeiterdarlehen im Verein üblich und wurden häufiger genutzt. Den geldwerten Vorteil hat das Ehepaar Bernhardt ordnungsgemäß versteuert, was durch den damaligen Schatzmeister, Edgar Kiesel, auch schriftlich bestätigt wurde.

Das Ehepaar Bernhardt war im Verfahren „Poggendorf“ zu keinem Zeitpunkt beschuldigt, sondern hat seinerzeit beim LKA gegen den damaligen HTV-Chef ausgesagt, was das zuständige Amtsgericht auch schriftlich bestätigt hat.

Selbst ein Bild gemacht

Nach diesen ungeheuerlichen Anschuldigungen hat sich Thorsten Jugert, Kandidat für das Amt des Schatzmeisters, auf den Weg zu dem in zirka 40 Kilometer von Hamburg entfernt gelegenen Hof gemacht, um das Gelände und die Gebäude inmitten von Ödland persönlich in Augenschein zu nehmen. Er schreibt:

„Zunächst einmal ist festzustellen, dass das Grundstück nicht über befestigte Straßen erreichbar ist. Ich fahre auf einem mit tiefen Schlaglöchern versehenen Feldweg. Ein Ausweichen von entgegenkommenden Fahrzeugen ist kaum möglich. Insbesondere bei widriger Witterung ist ein geländegängiges Fahrzeug deutlich von Vorteil.

Das Grundstück befindet sich im Außenbereich und die noch stehenden Nebengebäude wirken deutlich sanierungsbedürftig und baufällig. Ich treffe mich mit Janet Bernhardt in einem Gebäude, wo ich Teile im Inneren erkennen kann, die sich noch im Rohbau befinden und offensichtlich vorher mal ein Stall waren. Alles erscheint klein und verbaut.

Frau Bernhardt legt mir alle Akten zu dieser Angelegenheit vor. Ich sichte diese und entnehme auch zu Kopierzwecken diejenigen Dokumente (siehe im Anschluss an den Beitrag), die für eine transparente Aufklärung dieser Vorwürfe wichtig sind.

Da sind zunächst ein Verkehrswertgutachten des Sachverständigenbüro Dr. Katja Frontzkowski aus Hamburg aus dem Jahre 2003, das einen Boden- und Verkehrswert von 26.000 Euro bescheinigt, und der Kaufvertrag mit dem HTV. Danach wurde eine Anzahlung in Höhe von 5.000 Euro und ein Restkaufgeld in Höhe von 12.000 Euro vereinbart, das mit 2% p.a. zu verzinsen ist. Für die Zahlung des Restkaufgeldes wurden monatliche Raten in Höhe von 400 Euro vereinbart. Das Restkaufgeld ist in diesem Fall als Arbeitgeberdarlehen zu werten. Diese waren zu Zeiten von Poggendorf üblich, wurden von zahlreichen Mitarbeiter*Innen genutzt und stellen eine weit verbreitete Möglichkeit der Mitarbeiterbindung dar.

Die vereinbarten Raten scheinen mir in ihrer Höhe eher hoch, denn eine vollständige Tilgung der Restschuld trat bereits nach nur 30 Monaten ein. Für ein Darlehen zur Immobilienfinanzierung eher ungewöhnlich kurz.

Verkehrswert und Kaufpreis

Warum aber wurde ein Kaufpreis, der 9.000 Euro unter dem Verkehrswert liegt, vereinbart? Grundsätzlich sind Abweichungen vom Verkehrswert und Kaufpreis dadurch begründet, dass ein Objekt nur mit Preisanpassungen am Markt veräußert werden kann. Das Gutachten gibt gute Anhaltspunkte dafür, dass eine potentielle Käuferschicht als sehr klein beurteilt werden muss. So ist die verfügbare Infrastruktur sehr schlecht, z.B.

  • liegt die nächste Station der Bundesbahn im 15 Kilometer entfernten Mölln.
  • gibt es im Ort selbst keine Einkaufsmöglichkeiten. Erst im ca. fünf Kilometer entfernten Güster.
  • gibt es in der Gemeinde keine Schule. Kinder besuchen die Dörfergemeinschaftsschule im acht Kilometer entfernten Breitenfelde.

Zudem liegt das Grundstück abgelegen und in unmittelbarer Nähe zur A 24, so dass eine Verkehrslärmbelästigung gegeben ist.

Grundstück

Laut Gutachten, beinhaltetet das zu bewertende Grundstück verschiedene Flächen, darunter Nadelwald und Grünland, laut Grundbuchauszug auch Sumpf, Sandgruben und einen bebauten Grundstücksanteil. Der Zuschnitt des Grundstücks mit einer mittleren Tiefe von 124 Metern und einer mittleren Breite von 90 Metern muss als unorthodox bezeichnet werden. Das Grundstück weist ein Niveaugefälle auf, so dass eine Bebauung nur im Rahmen der vorhandenen Bebauung denkbar ist. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Grundstück nur für einen sehr eingeschränkten Nutzerkreis interessant sei, der zum Beispiel dort in kleinem Rahmen Pferde halten möchte. Gleichzeitig müsse ihm die Aufteilung der Wohnfläche in zwei kleine Wohngebäude zusagen. Weiter bescheinigt das Gutachten, dass de facto ein Wert vorhanden sei, es aber fraglich sei, wann dieser realisiert werden könne.

Wohngebäude

Marode Gebäude auf dem Fichtenhof

Den beiden Wohngebäuden bescheinigt das Gutachten einen maroden Zustand. Zum Zeitpunkt der Besichtigung waren alle Gebäude unverschlossen. Alle sanitären Anlagen, Fenster und Haustechnik seien komplett erneuerungsbedürftig und die Dächer teilweise undicht. Insofern übersteige der Reparaturstau den restlichen Substanzwert der Gebäude. Außerdem müssen die Abrisskosten wertmindernd berücksichtigt werden.

Fazit:  Das Grundstück ist zwar in der Fläche groß, jedoch nur in dem Bereich der jetzigen Bebauung nutzbar. Ferner befindet sich das Grundstück im Außenbereich. Dort sind Baumaßnahmen und selbst Ausbaumaßnahmen nur einem privilegierten Personenkreis erlaubt, zu denen das Ehepaar Bernhardt nicht gehört. Aufgrund des Zuschnitts und der Nutzungsmöglichkeit des Grundstücks, des Zustandes der Gebäude und der Lage im Außenbereich, halte auch ich den festgestellten Verkehrswert für plausibel, jedoch am Markt nicht durchsetzbar.

Wirklich ein gutes Geschäft?

Ich habe mich weiter dafür interessiert, ob die Bernhardt‘s seinerzeit tatsächlich ein „gutes“ Geschäft gemacht haben. Dem ist definitiv nicht so, denn nach dem Kauf kam ans Tageslicht, dass ein Großteil der Nebengebäude ohne Baugenehmigung errichtet wurde. Auch wenn diese Schwarzbauten durch einen Vorbesitzer errichtet wurden, trifft dies immer den aktuellen Eigentümer. Die zuständige Bauaufsicht hat im Jahr 2007 den Rückbau dieser Gebäude verfügt. Die Abrisskosten fallen zu Lasten der Eigentümer. Eingedenk dieser Tatsache fällt der Verkehrswert unter Null, denn mit der Rückbauverordnung hatte das Objekt praktisch keinen Wert mehr. Wäre es nicht 2004 an die Bernhardt’s verkauft worden, wäre es für den HTV ab 2007 praktisch unverkäuflich gewesen und hätte durch die Rückbaukosten und die Entfernung mehrerer Containerladungen auf dem Grundstück angesammelten Mülls zu einer erheblichen Belastung des Vereins geführt. Ob Herrn Poggendorf dieser Umstand bekannt war, kann nicht ermittelt werden.

Ich kann dem Ehepaar Bernhardt zu diesem Kauf nur mein Bedauern aussprechen und deren Aussage nachvollziehen, dass dieser sie fast in den Ruin und die Obdachlosigkeit gebracht hätte.

Die Sache mit den Zinsen

Aufzuklären ist aber noch der Vorwurf, dass Zinsen nicht gezahlt worden sein sollen. 2004 lag der Zinssatz für Immobiliendarlehen bei ca. 5%, der für Sparanlagen war bereits bis weit unter 1% gefallen. Das macht deutlich, dass ein Mitarbeiterdarlehen mit einem Zinssatz von 2% durchaus eine gute Geldanlage für den Verein war. Die Differenz zwischen marktüblichem und tatsächlich gezahltem Zinssatz muss in so einem Fall von den Arbeitnehmern als geldwerter Vorteil versteuert werden. In der Regel ist für die Berechnung der Arbeitgeber, der auch gleichzeitig Darlehensgeber ist, zuständig. In einem Schreiben aus 2009 wird dem Ehepaar Bernhardt vom damaligem Schatzmeister Edgar Kiesel bescheinigt, dass dieser geldwerte Vorteil vollständig ausgeglichen wurde.

Keine Beschuldigte im Poggendorf-Prozess

Die Anschuldigungen, dass Janet Bernhardt Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen war, ist ebenfalls unwahr. Der Hof wurde zwar im Rahmen der Ermittlungen gegen Poggendorf durchsucht, jedoch waren die Eheleute nie Beschuldigte in irgendeinem Verfahren. Selbst das zuständige Amtsgericht betont dies in Fettschrift im Durchsuchungsbeschluss.

Ergebnis: Alle Vorwürfe wurden entkräftet. Die veröffentlichten Anschuldigungen sind aus meiner Sicht ohne Inhalt und dienen nur der Verleumdung von Janet Bernhardt.

Last but not least

Die Vorstandsunterstützer fordern eine Stellungnahme von Janet Bernhard, nicht aber von der amtierenden 1. Vorsitzenden, von der es bislang noch immer keine persönliche Stellungnahme zu den Vorwürfen des Veterinäramtes gibt.“

Die Freunde des Hamburger Tierschutzvereins bedanken sich bei Thorsten Jugert, dass er den Weg zum Fichtenhof auf sich genommen hat, und bei Janet Bernhardt, die ihm alle Unterlagen vorgelegt und uns die Veröffentlichung einiger dieser Unterlagen genehmigt hat.

8 Comments

  1. Martin Rudolf

    Mal kurz angenommen, dass stimmt so und mal kurz angenommen, der Kauf hat das Ehepaar Bernhard wirklich fast in den Ruin getrieb:

    Sollte dann wirklich jemand, der offenbar so schlechte Entscheidungen, mit derartiger Tragweite für sein Leben trifft, wirklich Vorstand eines Vereins werden und Verantwortung für duzende Mitarbeiter und tausende Tiere bekommen?

    1. HTV Freunde

      Offenbar schlechte Entscheidungen hat sicherlich jeder einmal in seinem Leben getroffen. Entscheidend ist doch aber, was man daraus macht. Die Kandidatin für den Vorsitz im Hamburger Tierschutzverein konnte den Ruin und die Obdachlosigkeit abwenden und trotz aller Widrigkeiten erfolgreich vom Fichtenhof aus über Jahre im Schnitt jährlich 300 Wildtiere für den HTV auswildern. Poggendorf hat ihr mit dem Verkauf des Hofes böse mitgespielt. In so einer Situation zeigt nicht jeder so viel Stärke und Verantwortungsbewusstsein wie Janet Bernhardt.

    2. Hanna Büchner-Mack

      Martin Rudolf: Dass die jahrelang existierenden und ehemals teilweise bewohnten Gebäude illegal errichtet worden waren, kam erst nach dem Kauf ans Licht und konnte so wohl kaum in die Überlegungen mit einbezogen werden! Dass selbst Sie nicht alles ganz genau durchdenken, zeigt ihr obiger Kommentar 😉

      1. helga milz

        Was will Sandra Gulla? Warum argumentiert sie nicht offen? Gibt ihren Leuten alte Akten aus 2002 für Schmutzattacken? Und wäscht ihre Hände in Unschuld, statt Gesicht zu zeigen?
        Dass Janet Bernhardt gute Aussichten für die Vorstandswahl hat, ist offensichtlich. Sie ist öffentlich durch ihre Fernsehsendung gut bekannt, im Tierheim beliebt, als Tierpflegerin hochqualifiziert. Sie will und wird Missstände im Tierheim beheben!

        Der Fall Fichtenhof ist von uns eingehend geprüft und 2009 endgültig abgeschlossen worden! Im neuen Vorstand ab 2008 haben wir alle Verkaufsaktivitäten von P’dorf äußerst genau und misstrauisch zurückverfolgt; wir schonten niemanden: Die Kassenlage war schlecht. Unser Schatzmeister prüfte alle Immobilien aus Erbschaften, die veräußert wurden, war vor Ort und studierte die Unterlagen.

        Der FICHTENHOF war wahrlich kein Schnäppchenkauf, eher Schrottbude mit Schutt auf wertlosem Grund ohne Baugenehmigung und Infrastruktur. Aber das junge Ehepaar traute sich zu, das Anwesen für sich und ihr Hobby, das Leben mit Tieren, herzurichten. Risiko? Ja. Das sahen und bewältigten sie! Das schult!

        Viele Hamburger wollen auf dem Land MIT TIEREN leben. Wichtig für das Tierheim war, dass im Fichtenhof laufend zahllose Wildtiere aufgenommen und ausgewildert wurden!

        Risiko? Ich machte ähnliche Erfahrungen mit einer Bruchbude: Wir erwarben in Pölitz um 1975 als Gruppe ein altes Haus auf großem Grund, um dort mit unseren Tieren zu leben. Wir scheiterten am Schrott und lernten: »Wieder versuchen / Wieder scheitern / Besser scheitern« (Samuel Beckett)

  2. Maria Kammermeier

    Was ich mich ernsthaft Frage ist, warum so eine Sache jetzt kurz vor den Wahlen so spektakulär aufgedröselt dargestellt wird. Es geht doch um die aktuelle Situation jetzt und hier in der Gegenwart UND eine hoffentlich bessere Zukunft. Mir ist es nicht wichtig was war, sondern was ist und kommen wird. Ich persönlich empfinde das „Aufrollen“ solch „alter Geschichten“ als total überflüssig für die Meinungsbildung, wer zukünftig im Vorstand sitzen wird.
    Mich hat diese „alte Geschichte“ eher irritiert und ich empfinde sie für meine aktuelle Meinungsbildung für überflüssig.
    Ich wünsche Janet B. viel Glück für die Wahlen und würde mir wünschen Sie in einem Vorstandsposten beim HTV wieder zu sehen.

    1. HTV Freunde

      Es gibt leider Menschen, die Janet Bernhardt mit dieser alten, längst erledigten Geschichte augenscheinlich diskreditieren wollen. Deshalb war es leider notwendig, diese Behauptungen richtigzustellen.

    1. HTV Freunde

      Wir können Ihnen versichern, dass Janet Bernhardt für den Auslandstierschutz ist, vor allem für die Hilfe vor Ort. Sie wird sich in Kürze in einem separaten Beitrag näher dazu äußern.

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