16. Februar 2020

16. Februar 2020

Nicht länger ausgehalten

Sarah Urban aus der 2. Spätschicht der Jungtieraufzucht hatte heute ihren letzten Tag. Sie hat ihren unbefristeten Vertrag gekündigt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat. Was sie nicht länger ausgehalten hat, hat sie den Freunden vom Hamburger Tierschutzverein gegenüber erklärt:

„Ich habe im Spätdienst gearbeitet – dessen Hauptaufgabe im Sommer in der Aufzucht junger Wildtiere besteht. Der HTV wirbt damit, die größte Wildtierstation Norddeutschlands zu sein und schmückt sich mit den hohen Aufnahmezahlen. So werden Sommer für Sommer viele verwaiste und verletzte Wildtierkinder zu uns gebracht und jedes Jahr werden es mehr! Kaum einer kann sich aber vorstellen, dass diese größte Wildtierstation in der Regel gerade mal von ein bis zwei Personen betreut wird.

In der Saison 2019 hatten wir mehr Aufnahmen denn je und wussten kaum noch, wo wir all die Tiere unterbringen und wie wir sie noch angemessen versorgen sollten. Vor allem nach dem Wegfall der zweiten Wildtierstation in Hamburg ist zu erwarten, dass die Saison 2020 alle Aufnahmerekorde sprengen wird. Räumliche Vorkehrungen für dieses ‚Mehr‘ werden aber nicht getroffen. Die im Tierheim eingetretene Personalnot und der daraus resultierende schlechte Betreuungsschlüssel für die Tiere sind im Spätdienst ‚von Haus aus‘ an der Tagesordnung, denn für das System Spätdienst sind nie mehr als nur zwei Personen vorgesehen.

Nach dem Spätdienst kommt der Nachtdienst

Der Nachtdienst ist dann ganz alleine! In der Woche fallen 16 Stunden, am Wochenende sogar 19 Stunden der Wildtieraufzucht in den Spät- und Nachtdienst, während dessen sich ein bis zwei Person um unzählige junge, verletzte und kranke Tieren kümmern müssen. Diese Mitarbeiter*innen arbeiten zumeist ohne Pause und oft auch weit über ihre Arbeitszeit hinaus, um zumindest eine Minimalversorgung der kleinen Wildtierkinder zu gewährleisten. Mehr ist leider nur in Ausnahmefällen machbar. Aber auch der Tagdienst ist – durch den bereits erwähnten und allseits bekannten Personalmangel – der Menge an Tieren kaum mehr gewachsen. Eine chronische Unterversorgung und daraus resultierende, oftmals eigentlich völlig unnötige Todesfälle bei Säugern und Vögeln, sind die Folge!

Ich habe lange gehofft, dass die Wildtierstation endlich zum Positiven verändert wird. Da aber nicht absehbar ist, dass irgendetwas passieren wird, habe ich gekündigt, bevor die Saison überhaupt anfängt. Denn ich halte es nicht mehr aus, die Tiere auf einem Minimum versorgen zu müssen, sie unnötig leiden und sterben zu sehen und ihnen nicht so helfen zu können, wie es nötig wäre. Und das alles nur aus Gründen, die ebenso vermeidbar wären, wie die damit verbundenen Todesfälle.

Die Anzeigen über Missstände erfolgten nicht grundlos – oder glaubt ernsthaft jemand, das Amt „schikaniert“ das Tierheim aus Jux und Dollerei und sichtet aus Langeweile hunderte, tausende von Unterlagen? Auch wenn man das naiven Lesern weismachen will, die Behörde geht Hilferufen nach und diese sind nicht unbegründet“.

Das Fazit der ehemaligen Mitarbeiterin:

Der HTV ist kein sicherer Hafen für alle Tiere. Das kann ich mit bestem Wissen und Gewissen unterschreiben!

Am Personaleingang hat Sarah Urban untenstehendes Abschiedsgeschenk hinterlassen.

Nicht länger ausgehalten

Dieser Beitrag wurde am 23. Februar aktualisiert und um das persönliche Statement von Sarah Urban ergänzt.

5 Comments

  1. Hallo,
    ich bin entsetzt, was ich von den
    Zuständen auf der Wildtierstation
    lesen und hören muss.
    Wenn es im Tierheim Süderstrasse
    genauso zu geht,dann waren die Überprüfungen,unter anderen durch das Veterinärsamt ,wohl berechtigt. Und immer sind die Tiere die Verlierer.Dafür kann niemand Verständnis habe.

  2. Felix-Frieder

    Selbst in der Externen, ganze 100km abseits der Tötungsstation Süderstraße bekommt man die Herrschaft und Ignoranz der Tierheimleitung mit.

    Das Nordmagazin hat ebenfalls darüber berichtet.

    Wer meint tierspezifische Fachkenntnisse, die sich Mitarbeiter über 20jahre angeeignet haben, rumschubsen zu können wie Kleinkinder, um dem Gedanken des Machtverlustes Rechnung zu tragen, hat in eine Führungsposition nichts zu suchen.

    Nachdem das Ordnungsamt seit 2000 über 15Jahre zugeschaut und sogar angeordnet hat, unschuldige Hunde seiner vermeintlichen spezifischen Eigenschaften zu töten, tötet man heute wieder aus purer Inkompetenz Hamster, Igel und Co. Auch an den Nutztieren geht das Elend nicht vorbei.

    Wer Ehrenamtliche, herranwaltsende Schüler, Schutzbedürftige, Laien und Lernende, in der logischen Unkenntnis zu Arbeitsgängen und Behandlung der Nachzuchten sowie der wichtigsten Erstbehandlung platziert, nebst aller Tiere, um seine Schuld abzuwälzen, hat in der Führung als Tierheimleitung nichts zu suchen.

    MfG FFZ

    1. HTV Freunde

      Lieber Felix-Frieder,
      nach eingehender Beratung haben wir uns entschlossen, Ihren Kommentar trotz der drastischen Bezeichnung „Tötungsstation Süderstraße“ zu veröffentlichen. Sie scheinen ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Rasselisten zu sein und sprechen offensichtlich die in der Vergangenheit von der Behörde angeordnete Tötung von Listenhunden an, für die die Tierpfleger*innen keinerlei Verantwortung tragen.

  3. S.B

    Es ist so traurig das immer mehr Gutes & dringend benötigtes Personal (wie ja schon mehrfach der Fall) Ihren: Herzensjob in der Süderstraße unter den aktuellen Umständen (Leitung/Vorstand) leider verlassen. Aber unter dem Druck Last Undankbarkeit für Leistungen & dazu das Macht Gehabe, ist es leider nachvollziehbar. Irgendwann
    fehlt einem einfach nur noch die Kraft das alles mit ansehen/anhören zu können.
    Am Ende bleiben die Leidtragenden zurück „Die Tiere“ mit noch weniger Personal, noch weniger Zuwendung & Pflege.
    Mein persönliches Fazit:
    Es ist sowohl Zeit als auch Gefahr in Verzug unter solchen Umständen ! Denn wenn nun schon vermehrt Tiere sterben (wie oben beschrieben & mehrfach gehört)
    Oder wie mir aus sicherer Quelle bekann: Zusätzliche Verletzungen an Tier(n) aufweisen, die erst in der Süderstraße entstandenen sind ! Ist ein Führungswechsel daher das einzig vernünftige & DRINGEND NOTWENDIG um das derzeitige Desaster zu beenden. Zum Wohle für Mensch und Tier.
    Ich frage mich auch:
    1. Sind Gerichtsverfahren wichtiger, als die Tiere in der Süderstraße !?
    2.Sind Spendengelder/ Erbschaften usw. eigentlich auch von NICHT VEGANERN /FLEISCHESSER erwünscht ? (Ich frag nur weil: 2.Eier führten ja auch schon zur Demütigung sowie in Online-Portalen !? Aber die ganzen überflüssigen
    Verhandlungen vor Gericht, müssen ja auch irgendwie bezahlt werden.
    2.Mitarbeiter/Vereinsmitglieder/Ehrenamtliche usw. Werden zum Teil wie D…. behandelt. Selbstverständlich nur die, die Nicht Anhänger des Vorstandes sind ! Ach ja eine eigene & andere Meinung ist ja auch NICHT erwünscht, ich vergaß.
    Nicht einmal wenn es um das Wohl der Tiere im Tierheim geht (wie traurig !) Na und vom Umgang mit einigen Angestellten/ Ehrenamtlichen & teilweise auch mit: Interessenten an Tieren mal ganz zu schweigen. Sichere Quellen !
    3. Macht und Ignoranz stehen derzeit, meiner Meinung nach im Mittelpunkt & Nicht das wohl der Tiere, so mein Eindruck (aber wie auch) ? Bei Personalmangel & Eigenregie !
    ÜBRIGENS:
    Werbung auf Teufel komm raus in eigener Sache (mit Eigenlob durch Anhänger) & Lügen sind mir (persönlich) auch kein Fremdwort mehr.
    Ich wünsche daher für die bevorstehenden Neuwahlen 2020 viel Erfolg „Dem hoffentlich NEUEN & geeignetem TEAM“

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