26. März 2020

Rekorde, Rekorde …

Ein Rekordergebnis von rund 8,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019 feiert der amtierende Vorstand vom Hamburger Tierschutzverein in einer Pressemeldung vom 26. März als großartige Bestätigung seiner Tierschutzarbeit. Mit einem Überschuss von mehr als 2,5 Millionen Euro sei das das beste Vereinsergebnis seit über 12 Jahren. Bemerkenswert dabei: Mehr als die Hälfte der Einnahmen stammt aus Nachlässen, genauer 4,55 Millionen Euro. Knapp ein Viertel steuert die Stadt Hamburg dazu: 2,06 Millionen Euro. Hinzu kommen die Jahresbeiträge von rund 5.000 Mitgliedern, die pro Kopf durch Paar-Vergünstigung etwa 30 Euro im Durchschnitt betragen, also rund 1,5 Millionen Euro ausmachen. Das ergibt 8,11 Millionen Euro zuzüglich 190.000 Euro aus Patenschaften und rund 100.000 Euro an Erlösen aus Vermittlungen, an Spendengeldern etc.

Mehraufwendungen von fast einer halben Million

Den Gesamteinnahmen von 8,4 Millionen Euro werden 5,7 Millionen Euro an Ausgaben gegenübergestellt. Die Mehraufwendungen von rund 500.000 Euro gegenüber dem Jahr 2018 werden mit

  • einer um 140.000 Euro erhöhten Sanierungstätigkeit auf dem Tierheimgelände
  • Ausgaben in Höhe von 112.000 Euro für Rechts- und Beratungskosten
  • einem Mehraufwand von 130.000 Euro für die medizinische Versorgung der Tiere
  • sowie Mehrausgaben für eine Vielzahl von weiteren kleineren Positionen

begründet.

Sanierungen im Tierheim

Ein Plus von 140.000 Euro bei den Sanierungskosten im Tierheim, klingt erstmal gut. Spontan fallen uns der neu angelegte Schildkrötenteich, der noch nicht ganz fertig gestellte Austausch sämtlicher Rohre im Katzenhaus sowie der Abriss des baufälligen Hundehauses ein. Jegliche Verbesserung, die den Tieren zugutekommt, ist selbstverständlich zu befürworten – letztendlich setzen das die Mitglieder und Spender voraus, wenn sie ihr Portemonnaie öffnen. Allerdings wäre eine Aufklärung wünschenswert, welchen Nutzen die Tiere von der aufwändig gestalteten überdimensionalen Holzterrasse samt Rundumverglasung und zwei 1000-Euro-Sonnenschirmen haben? Angesichts der maroden Tierhäuser und bei Starkregen regelmäßig überschwemmten Vogelgehegen, Katzen- und Hundezwingern muss die Frage erlaubt sein, welche Prioritäten da gesetzt wurden?

 

Rekord bei Rechts- und Beratungskosten

Die stolze Summe von 112.000 Euro für Rechts- und Beratungskosten begründet der HTV-Vorstand mit „leider erforderlich gewordenen Auseinandersetzungen mit dem Bezirksamt Hamburg-Mitte sowie vereinsrechtlichen Auseinandersetzungen“. Die Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht werden nicht erwähnt. Erforderlich klingt ein bisschen wie alternativlos. Aber war es tatsächlich erforderlich

  • gegen die Behörde wegen angeblicher Schikane zu klagen?
  • gegen das Urteil Berufung einzulegen?
  • einem Betriebsratsmitglied aufgrund falscher Anschuldigungen fristlos zu kündigen und über 17 Monate bei vollen Bezügen freizustellen?
  • gegen die Urteile vom Arbeitsgericht in 1. und 2. Instanz in Berufung zu gehen?
  • eine Versetzungsklage (wegen Nichteinsetzung auf den alten Arbeitsplatz entgegen anderslautenden Urteils) zu riskieren?
  • auch hier wieder Beschwerde gegen das aus Vorstandssicht negative Urteil einzulegen?
  • kritische Mitglieder per Ausschluss aus dem Weg zu räumen?
  • gegen die von einem ausgeschlossenen Mitglied erwirkte Einstweilige Verfügung – gegen den ausdrücklichen Rat des Gerichts – Widerspruch einzulegen?
  • die Herausgabe der Mitgliederliste zu verweigern?
  • gegen das aus Sicht des Vorstands negative Urteil Berufung einzulegen?
  • die Behörde wegen Hausfriedensbruch zu verklagen?
  • dass externe Anwälte die Aufgaben des Öffentlichkeits-Referats übernehmen und Presseanfragen beantworten?
  • externe Anwälte für Beratungen zu bezahlen, obwohl gleich zwei Juristen im Vorstand sitzen?

Geht es dabei eigentlich noch um die Tiere oder nur noch um Rechthaberei?

Nur die Besten

Der HTV beschäftigt vier festangestellte Tierärzt*innen und dennoch fallen 130.000 Euro mehr für die medizinische Versorgung der Tiere an? Ist es wirklich erforderlich, dass an die 100 Tiere bei niedergelassenen Tierärzten behandelt werden, auch wenn nur in den seltensten Fällen ein Facharzt erforderlich gewesen wäre. Ob Magendrehung beim Hund, Kastrationen, Einschläferungen oder die Behandlung von einem Katzenschnupfen – die erforderlichen Behandlungen sollten von jedem Tierarzt beherrscht werden. Das muss erst recht erwartet werden können, wenn wie der Vorstand bekanntgab, „nur die besten Tierärzte“ eingestellt wurden. Das Wichtigste aber: Zeit ist bei einer Magendrehung der wesentliche Faktor, um das Leben des Hundes zu retten!

Ohne Erbschaften kein Überschuss

Die signifikanteste Steigerung gab es 2019 bei den Nachlässen. Nach einem Rekordhoch von rund 3,96 Millionen Euro in 2018, verzeichnete der HTV 2019 Erbschaften in Höhe von 4,55 Millionen Euro, ohne die man das Jahr 2019 mit einem satten Minus von rund zwei Millionen Euro abgeschlossen hätte. Dass die Erbschaften so fleißig sprudeln, ist aber nicht den „loyalen Mitarbeiter*innen und ehrenamtlichen Aktiven“, bei denen sich der Vorstand gleich zu Beginn seiner Pressemeldung bedankt, zu verdanken, sondern wahrscheinlich den Amtsvorgänger*innen des amtierenden Vorstands. Selbst der Deutsche Tierschutzbund bestätigt, dass zwischen dem Abfassen eines Testaments und dem Erbfall in aller Regel durchschnittlich zehn bis 12 Jahre vergehen. Da waren weder die amtierende 1. noch die 2. Vorsitzende im Amt.

Bereits bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr wurde die Frage gestellt, von wann die Testate der angefallenen Nachlässe stammen, die sich der Vorstand schon für 2018 so stolz als eigenen Verdienst anrechnete. Eine Antwort darauf hatte der amtierende Schatzmeister nicht parat, aber er versprach, die Antwort nachzureichen. Ein Jahr später ist er – trotz mehrfacher Aufforderung – diese Auskunft noch immer schuldig geblieben. Bleibt zu hoffen, dass er bei der nächsten Mitgliederversammlung besser vorbereitet ist, denn die Frage wird sowohl für das Geschäftsjahr 2018 als auch für 2019 ganz sicher gestellt werden.

Den Tieren von der Pflege abgespart

Was in der Pressemeldung gänzlich fehlt, sind Angaben zu den Personalkosten. Mal davon abgesehen, dass die ehemalige Tierheimleiterin bei vollen Bezügen vorzeitig in den Ruhestand geschickt, eine hochbezahlte Tierärztin während der Probezeit gekündigt und für 14 Tage zum Monatsende freigestellt wurde und für einen Fahrer während seines Arbeitsgerichtsprozesses die Bezüge ebenfalls weiterliefen, dürften sich die Personalkosten durch den Abbau qualifizierter Pfleger*innen, die zumeist nur durch ungelernte Kräfte ersetzt wurden, im vergangenen Jahr deutlich reduziert haben. Wurde den Tieren also durch eine völlig verfehlte Personalpolitik ein Rekordüberschuss von der Pflege abgespart?

Ein sicherer Hafen für alle Tiere sieht anders aus!

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