Blendende Fassade für den Tierschutz

Blendende Fassade für den Tierschutz

Eingang des Tierheims Süderstraße.

Der Leserbrief eines Gassigängers hat wohl viele bestürzt. Ja, das ist traurig und erschütternd, was wir da lesen konnten. Aber wie kam es dazu? Nach allem, was wir selbst erlebten, sahen und hörten, ist es der strikt autoritäre und völlig veraltete Führungsstil der 1.Vorsitzenden. Er zeigt mittlerweile verheerende Wirkungen: Ihr laufen die guten Leute weg. Personalnot und Unterversorgung der unzähligen Tiere bestimmen den Alltag im Tierheim.

Wie konnte das passieren?

Schon 2012 verkündete die 1. Vorsitzende vor Ehrenamtlichen, sie werde die Belegschaft austauschen müssen, leider, denn damit sei ihr Tierschutz unmöglich. Sie baue auf aktive Freiwillige. Und so überwarf sie sich sofort mit dem Betriebsrat – bis heute. Ohne Skrupel nutzte sie die uralte Satzung, mit der sich einst Poggendorf alle Macht sicherte. Sie baute sich ihre Zentrale aus – ein komfortables Herrschaftsnest für sich, ihre Hunde und für die Öffentlichkeitsarbeit: Werbung ist ihr ureigenes Feld. Hier bastelt sie an der blendenden Fassade für Tierschutz. Bunt, abwechslungsreich, mal traurig, mal lustig, mal grausam, mal süß, mal gelungen, mal abwegig, wird um Spenden geworben. Nur darum geht es: Kohle reinholen. Alles für die Tiere!

Nein: Wie es hinter dieser tollen Fassade von Bild und Text im Tierheim tatsächlich aussieht, geht niemanden was an! Da wird nicht in marode Gebäude investiert, nicht in mehr Personal, nicht in bestes Futter.

Sie gewann einen Medienprofi, einen qualifizierten Journalisten mit Tierschutzengagement, der diese Fassade ausbaute und nach ihren Vorgaben herumschrauben musste. Er verließ das Öffentlichkeits-Refarat nach knapp einem Jahr. Warum? Sie korrigierte ihn laufend, griff in seine Arbeit ein, unterband seine Kontakte zur Presse, mutete ihm zu, Ausschlussverfahren gegen kritische Mitglieder zu vertreten, die sie einleitete und so weiter und so fort.

Sie kann keine Personalführung: Sie steuert unentwegt mit internen Regelwerken, rigiden Geboten und Verboten den Tierheimalltag und die Verwaltung und setzt sich durch: gnadenlos. Wer nicht spurt, muss gehen. Hohe Abfindungen helfen nach. Belohnt werden ihre willigen Helferlein: Mithilfe der Hundetrainerin drängte sie die langjährige Tierärztin und Tierheimleiterin erfolgreich raus; dafür war ihr ein geiler & steiler Aufstieg in die Leitungsposition versprochen.

Aber dann passt nichts

Doch da wird sie nie wirklich wirksam. Da setzt sie sich nicht durch. Da wird sie nicht akzeptiert. Weil sie weder in der Tierpflege ausgebildet ist, noch jemals dort tätig war: „Sie kann mit Hunden. Aber das reicht nicht!“ Also muss die neue junge Tierärztin sie ständig begleiten und fällt in der medizinischen Abteilung aus. Die soll nun ein neues Management erhalten. Dafür finden sich aber keine qualifizierten Kräfte. Das schlechte Arbeitsklima im Tierheim Süderstraße hat sich rumgesprochen!

Die sechs Säulen

2017 baute die 1. Vorsitzende um sich herum sechs Säulen für „bewährte“ Abteilungsleiter ohne Unterbau, für Häuptlinge ohne Indianer, als Anerkennung für deren Hilfe bei üblen Machenschaften gegen Mitarbeiter mit Mobbing, Lug und Trug.

Warum machen Mitarbeiter das mit?

Macht ist sexy. Macht macht’s möglich, dass man sich verbiegt? Dass man Kollegen weg beißt? Wegen Zuckerbrot & Peitsche, Drohung & Denunziation? Wer Kritik äußert, wird eliminiert. Wer nicht vegan lebt, wird nicht eingestellt. Wer Misstrauen erregt, wird versetzt. Bei Bedarf mehrfach. Bis er hinreichend isoliert ist, sich nicht mehr kollegial verständigen kann oder gar den Betriebsrat aufsucht.

Es ist ein Desaster

Die 1. Vorsitzende kann keine Personalführung. Sie kann nur autoritär, restriktiv, hart und heftig durchgreifen. Sie muss alles und alle kontrollieren. Sie misstraut selbst engsten Mitarbeitern. Sie riskiert tiefe Risse im betrieblichen Gebälk, kündigt auf Verdacht, stellt Kollegen über neun bzw. 16 Monate frei, verliert Prozesse. Das kostet mehr als das Geld für Ersatzkräfte, Nachzahlungen, Wiedereinstellungen. Es kostet jegliches Vertrauen in den Vorstand, die Leitung. Und in den Verein, der das zulässt! Alle 2016 gewählten Beisitzerinnen traten binnen 2 Jahren unter Protest zurück.

Ist es der 1. Vorsitzenden egal, dass sie gehen und beste Tierpfleger kündigen? Dass viele resignieren, andere erkranken, sich innerlich verabschieden, nach Auswegen und Alternativen suchen? Ein harter Kern hält wegen der Tiere durch. Die Tiere leiden massiv unter der Personalnot. Sieht und interessiert sie das nicht?

Wie kommt es dazu? Ein Erklärungsversuch:

Der Vorstand ist ehrenamtlich tätig. Alle seine Mitglieder sind Vollzeit-beruflich eingebunden. Sie können nicht nebenbei ein so großes Tierheim wie das Hamburgische führen. Das können sie gar nicht können. Niemals. Das musste schiefgehen. Denn sie sind alle blutige Laien in Sachen Personalführung. Was machten sie also? Sie überantworteten der 1. Vorsitzenden alle Macht, alle Rechte, alle Aufgaben und ließen sie unkontrolliert machen. Jetzt haben sie und wir den Salat und die dramatischen Folgen müssen die Tierpfleger und Tiere erleiden.

Helga Milz