Detektivgeschichte 2. Teil

Nur an Fakten interessiert

Wie jeder gute Detektiv, nur an Fakten interessiert. Foto: Hebi B./pixabay

In einem sehr offenen und persönlichen Bericht hat Thorsten Jugert bereits an dieser Stelle seine Eindrücke von der diesjährigen Mitgliederversammlung veröffentlicht. Wie versprochen erzählt er heute seine „Detektivgeschichte“ weiter:

Als Naturwissenschaftler bin ich an belegbaren Daten und Fakten interessiert… Die ersten Daten hatte ich bereits empirisch auf der Mitgliederversammlung erhoben.

Das Verhalten eines mutmaßlichen Täters (ich verwende aufgrund der besseren Lesbarkeit die männliche Form; es ist jedoch immer m/w/d gemeint) in dieser Versammlung ist hier jedoch eher als Indiz zu werten, denn es besteht die Möglichkeit, dass die Aktionen desselben auf einer Ahnungslosigkeit bzgl. Vereins- und Mitgliederrechten beruhen. Der mutmaßliche Täter könnte zwar ein Profi in Tierrecht, aber in der Steuerung eines Vereins hoffnungslos überfordert sein oder auch unter einem zwanghaften Kontrollzwang leiden. Es gilt bisher weiter In dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten).

Wie in jeder guten Detektivgeschichte werden in der Folge weitere Indizien zusammengetragen. Mir liegen Schriftstücke von Ehrenamtlichen und auch Arbeitnehmern aus dem Tierheim vor… Ich zitiere diese stellenweise sozusagen als Zeugenaussagen. Zunächst nehme ich keine eigenen Wertungen vor und lasse die Aussagen einfach auf den Leser wirken…

Stellen, die eindeutig eine Person bezeichnen oder Bezug auf diese nehmen, werde ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes mit „XXX“ kennzeichnen. Jeder Leser, mit wenigstens mäßig ausgeprägter Menschenkenntnis und einem gewissen Scharfsinn wird leicht eigenständig ermitteln können, welche Person evtl. gemeint sein könnte. Es gilt wie im Fernsehen: „Suchen Sie den Täter“

Aussagen von Ehrenamtlichen:

  • …oder wenn man sich eine Wegzehrung einpackt, was evtl. vegetarisch und bio ist, dass das ein Ehrenamtlicher oder Mitarbeiter sieht, das petzen geht und somit dann das Ehrenamt entzogen wird.
  • …die einen verpetzen, weil man dem Bild von gewissen Personen nicht entspricht.
  • Ich möchte einfach über alltägliche Dinge ganz offen reden und ehrlich meine Meinung sagen können, ohne dass mir und auch anderen Ehrenamtlichen das Ehrenamt entzogen wird.
  • Ich habe Angst nicht mehr Gassi-gehen zu dürfen.

Aussagen von MitarbeiterInnen des Tierheims:

  • Der amtierende Vorstand besteht aus mehreren Personen, aus meiner Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass nur eine Person die Fäden in der Hand hält und das ist „XXX“. „XXX“ kontrolliert, diktiert und entscheidet alles; sprich „XXX“ regiert den kompletten Verein und das angehörige Tierheim. Das Tierheim verfügt über mehrere Leitungen, die in meinen Augen lediglich Marionetten von „XXX“ sind.
  • Immer wieder tritt vor allem „XXX“ den Mitarbeitern respektlos gegenüber auf.
  • Gerne werden einem die Worte im Mund verdreht oder so ausgelegt wie man es braucht.
  • Wer eine andere Meinung als „XXX“ vertritt, ist direkt auf der „Abschussliste“.
  • Es wurde schnell klargestellt, dass Mitarbeiter die Meinungen und Ansichten des Vorstandes übernehmen müssen. Wer dies nicht tut, wird entweder ohne Vorwarnung in eine andere Abteilung versetzt oder anderweitig z.B. in Form einer Abmahnung unter Druck gesetzt.
  • Es wurde immer deutlicher, dass der Vorstand mit Ausspielen von sogenannten Machtverhältnissen nicht mehr die Tiere im Vordergrund sieht.
  • Man wird zu belanglosen Mitarbeitergesprächen gerufen, in denen einem Druck gemacht wird.
  • Es wird versucht, unbequeme Personen los zu werden, durch Kündigungen und/oder Freistellung (mit vollen Bezügen) über einen langen Zeitraum.
  • Wenn aber immer mehr Mitarbeiter kündigen oder aus zweifelhaften Gründen gekündigt werden oder teilweise psychisch oder physisch erkranken, fällt dies alles auf die Tiere zurück.
  • Fraglich ist ebenfalls der vermehrte Rücktritt oder Wechsel von Beisitzern innerhalb des Vorstandes. Hatten diese eine andere Meinung als „XXX“ hat man sie aussortiert oder genötigt zurückzutreten und irgendwann durch neue, bequemere Personen ersetzt.
  • Auch Strafversetzungen als Disziplinarmaßnahme stehen an der Tagesordnung, dieses hat zur Folge, dass gut eingespielte Teams auseinander gerissen werden. Das ist natürlich nicht im Sinne der Tiere, die für uns immer an erster Stelle stehen sollen.
  • Immer wieder werden die Mitarbeiter aufgefordert, freiwillig ehrenamtlich zu arbeiten. Im gleichen Atemzug wird einem vermittelt, wie schlecht man doch sei, wenn man es nicht tut.
  • Besonders neue Mitarbeiter und Auszubildende müssen befürchten, dass ihre Übernahme wegen fehlendem Engagement in Gefahr ist.
  • Besonders die Entwicklung im Jahr 2018 ist erschreckend, viele langjährige Kollegen haben gekündigt, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben, wie man mit ihnen oder auch mit anderen Mitarbeitern umgeht oder umgegangen ist.
  • Viele Mitarbeiter arbeiten seit Jahren im HTV, diese haben schon viele Vorstände miterlebt und wenn sie sagen, dass 2018 das schlimmste war, was sie bisher erlebt haben, dann ist das eine traurige Bilanz.

Aussagen zum Personalnotstand:

  • Viele Abläufe müssen nun verkürzt werden, was dazu führt, dass vieles nicht gewährleistet werden kann und somit für diese Tiere die Chance, schnellstmöglich ein neues Zuhause zu bekommen, immer geringer wird.
  • Die bestehende anfallende Arbeit ist selten zu schaffen, viele Dinge bleiben auf der Strecke und letztendlich leiden darunter die Tiere.

Im nächsten Teil werde ich die hier gemachten Aussagen verifizieren, denn es besteht weiterhin die Möglichkeit, dass es sich hier nur um die Aussagen weniger Unzufriedener handelt und alle anderen Ehrenamtliche und Mitarbeiter sind glücklich, im Tierheim ihre Arbeit verrichten zu dürfen.

So geht man mit Mitgliedern um

Und jetzt noch ein kleines Schmankerl… Ich veröffentliche ein Schreiben des Vereins an mich selbst und möchte das geneigte Auge auf die letzten beiden Absätze lenken.

So geht man mit Mitgliedern um, die irgendetwas vom Vorstand möchten, was der nicht will. Es wird tatsächlich versucht, mich für dumm zu verkaufen, denn wer glaubt ernsthaft, dass das Beantworten von Mitgliederbriefen durch Spenden finanziert wird. Außerdem scheint die Beantwortung meines Schreibens direktes Tierleid zu verursachen, denn ich verhindere dadurch „wesentliche Tierschutzarbeit“. Leider kann ich mein lautes Lachen hier mit diesen Zeilen nicht transportieren…

Oder es wird versucht, mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich ja überhaupt gar nichts für den Verein tue und ich auch keinen Gegenwert erzeuge. Mir war gar nicht bekannt, dass ehrenamtliche Arbeit von Mitgliedern vereinsintern mit einem Gegenwert aufgerechnet wird!?! Gibt es da eine Rangliste? Falls es entfallen war… meine Frau und ich haben aus dem HTV-Tierheim zwei Kat-1-Hunde fest übernommen und geben zusätzlich noch zwei weiteren Kat-1-Hunden einen Dauerpflegeplatz. Für einen dieser Hunde in Pflege kassiert der Verein übrigens sachbezogene Gelder in Form einer Patenschaft… Die Patin wurde bis heute noch nicht vom Verein informiert, dass eigentlich wir die Versorgung des Hundes bezahlen.

Hiermit schließe ich einstweilen die Beweisaufnahme

Sollte sich im Rahmen dieser „Geschichte“ eine Täterschaft verhärten oder auch bestätigen, bin ich persönlich der Meinung, dass jeden, der dieses menschenverachtende Verhalten unterstützt oder nur ängstlich schweigt, eine Teilschuld trifft. Ein kommender Vorstand wird dieses aufarbeiten und Konsequenzen ziehen müssen…

Thorsten Jugert