Jetzt gehöre ich auch zu denen

So verschreckt man Ehrenamtler

Mein Name ist Stefanie Bauche und ich gehöre seit Jahren zu den Ehrenamtlichen im Tierheim in der Süderstraße. Anders als andere, habe ich eine „Vorgeschichte“ im HTV. Bisher eine überwiegend positive, denn im Gegensatz zu anderen Ehrenamtlichen, wurden mir bislang niemals Steine in den Weg gelegt.

Seit nunmehr neun Jahren unterstütze ich die Tierpfleger*innen bei der Jungtieraufzucht, biete Heimpflegeplätze für mutterlose Katzenwelpen und Wildtierkinder an und engagiere mich bei deren anschließender Adoption beziehungsweise Auswilderung. Dadurch habe ich guten Kontakt zu den Mitarbeiter*innen im Spätdienst und in der Auffanghalle, im Katzenhaus und in der Tierarztpraxis. Ich werde geschätzt und bin eine willkommene Unterstützung.

Nun beobachte auch ich seit geraumer Zeit den wachsenden Druck auf diese Mitarbeiter*innen, der sich mit der neuen Tierheimleitung noch verstärkte, weil deren Anweisungen zum Teil unakzeptable bis prekäre Auswirkungen auf die Versorgung der vielen Jungtiere hat. Was mir in letzter Zeit diesbezüglich zu Ohren gekommen ist, werde ich an dieser Stelle nicht zitieren, denn das in den vergangenen Jahren aufgebaute Vertrauen der Mitarbeiter*innen werde ich nicht enttäuschen.

Man mag mir jetzt glauben oder nicht: Zeitweise war die Situation geradezu beängstigend, so dass ich mehr als einmal überlegt habe, das Handtuch zu werfen. Doch dann habe ich mich selbst überredet, weiterzumachen, denn mein Weglaufen hätte weder den Tieren noch den Tierpfleger*innen geholfen.

Weil ich überzeugt bin, dass sich etwas im Umgang mit den Arbeitnehmern des Tierheims ändern muss, damit sie sich weiterhin motiviert und engagiert für das Wohl der Tiere einsetzen können, habe ich natürlich an der Mitgliederversammlung teilgenommen. Doch was ich dort erlebt habe, hat mich sehr enttäuscht: Nach strapaziös langen Reden von Vorstandsmitgliedern und leitenden Mitarbeiter*innen, wurden kritische Wortmeldungen von einigen mir bekannten Ehrenamtlichen ausgebuht. Es gab störende Zwischenrufe und empörende Beleidigungen gegenüber ehemaligen Mitarbeitern. Natürlich hat jeder ein Recht auf seine Meinung, aber diese sollte man zivilisiert äußern und nicht nur immer dann dazwischen brüllen, wenn einem die Meinung des anderen nicht gefällt. Die Versammlungsleiterin hätte einschreiten müssen, denn mich hätte es durchaus interessiert, was andere – auch kritische Mitglieder – zu sagen hatten. Stattdessen ließ sie darüber abstimmen, ob Mitglieder überhaupt reden durften – und das geht nun mal gar nicht! Der Ablauf dieser Versammlung war für mich erschreckend, denn Demokratie und Fairness gehen anders.

Mein Fazit: Jetzt gehöre auch ich zu denen, die sich einen anderen Vorstand wünschen. Nicht, weil ich mit dessen Tierschutzarbeit unzufrieden bin, sondern weil mich dessen Umgang mit Mitarbeiter*innen und Mitgliedern abschreckt.