Tierschutz nicht nur vor der eigenen Tür

Tierschutz nicht nur vor der eigenen Tür

Hunde aus dem Auslandstierschutz
Janet Bernhardt mit ihren Herdenschutzhunden. Foto: privat

Auslandstierschutz ist ein sehr emotionales Thema, denn viele Tiere, nicht nur Hunde und Katzen, haben in anderen Ländern einen anderen Stellenwert als hier bei uns. Von Zootieren, die in kleinen Käfigen, einzeln mit oft mangelnder Versorgung vor sich hin vegetieren, über Wildtiere, die als Spielzeug für Kinder verkauft werden, bis zu unzähligen Hunden und Katzen, die in vielen Ländern auf den Straßen leben und sich am laufenden Band vermehren: Viele Probleme in vielen Ländern!

Hilfe zur Selbsthilfe ist deshalb oberste Prämisse. Dabei kann man sicherlich nicht allen Tieren die Freiheit oder ein neues Zuhause geben, aber man kann gemeinsam viel tun, um die Bedingungen vor Ort zu verbessern. Aufklärung, Anleitung, Unterstützung beim Bau von Gehegen, Auffangstationen oder Kastrationsprogramme sind dabei nur ein paar Anhaltspunkte, wie wir helfen können, damit unsere Welt etwas tierfreundlicher wird.

Es gibt viel zu bedenken

Aus zumeist ärmeren Ländern importierte Hunde und Katzen finden in Deutschland ein neues Zuhause, was von vielen Menschen kritisch gesehen wird. Anstatt diese als Gegner des Auslandstierschutzes oder gar „Rassisten“ zu betiteln, sollte man sich fragen, warum sie dem ganzen kritisch gegenüberstehen. Die Verbreitung von hierzulande noch unbekannten oder selten vorkommenden Krankheiten und Parasiten ist dabei nur ein Thema. Denn leider sind es oft kranke, nicht geimpfte und/oder mit Parasiten befallene Tiere, die häufig über zumeist dunkle Kanäle hier landen – mit dem entsprechenden Ansteckungsrisiko für andere Tiere und oftmals auch den Menschen. Zudem können Katzen und Hunde, die jahrelang, unabhängig von Menschen, in Freiheit gelebt haben, die Nähe zu uns Zweibeinern als unangenehm empfinden. Daher ist ihre Vermittlung an Menschen, die Erfahrung und vor allem den passenden Platz bieten können, von entscheidender Bedeutung. Ein großer Hund, der jahrelang frei auf der Straße gelebt hat, findet sich nur schwer in einer Großstadt, im 3. Stock, in einer 60 Quadratmeter großen Wohnung zurecht, noch dazu, wenn er nur an der Leine spazieren geführt wird.

Nicht selten geht es schief

Aber genau das passiert leider häufiger. Die neue Umgebung passt nicht, den neuen Besitzern fehlt die nötige Erfahrung und schon wird aus der gutgemeinten Rettung eine unglückliche Aneinanderreihung von Missverständnissen auf beiden Seiten. Davon können zahlreiche Hundeschulen und Katzenexperten ein Lied singen. Auch ich lebe mit einer solchen Hündin, die nach Deutschland in ein kleines Tierheim kam, das schon nach kurzer Zeit mit ihr überfordert war. So wurde sie weitergereicht an ein anderes Tierheim, das sich, ebenfalls nach kurzer Zeit, mit der Bitte um Hilfe an ein Großstadttierheim wandte.

Dort war ich bekannt und so kam man auf mich zu. Da mein Mann und ich eh auf der Suche nach Herdenschutzhunden waren, schauten wir uns das 50 Kilogramm schwere Schätzchen mal an – eine Tragödie! Die Hündin konnte nicht in geschlossenen Räumen gehalten werden, weil sie buchstäblich in Panik die Wände hochging und vor Angst ständig unter sich urinierte. Sie kannte keine Leine und kein Spazierengehen. Woher sollte sie das auch kennen? Außerdem reagierte sie sehr aggressiv, wenn es um ihr Futter ging. Es war ihr Glück, dass bei uns ein Plätzchen frei war und wir uns ihrer angenommen haben. Mit sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen ist es uns inzwischen gelungen, ihr das Gefühl von Ausgeliefertsein zu nehmen.

Sinnvoll helfen

Menschen, die den zunehmenden Import von Tieren kritisch sehen, sind nicht automatisch auch gegen den Auslandstierschutz. Viele Tierschützer plädieren dafür, dass überwiegend vor Ort geholfen wird, was auch in meinen Augen langfristig mehr Erfolg bringen würde. Dass Tiere nach Deutschland geholt werden, die voraussichtlich mit der Situation vor Ort schnell  zurechtkommen, und die nachweislich alle erforderlichen Impfungen, Untersuchungen und Behandlungen auf Parasiten haben, ist für mich völlig in Ordnung. Wenn die anschließende Vermittlung erst nach Feststellung wirklich geeigneter Unterbringung mit allen Erfordernissen gesichert ist, dann ist das für mich guter Auslandstierschutz, den ich ausdrücklich befürworte. Aber eben nur mit Augenmaß und unter den richtigen Voraussetzungen. Wenn die Kapazitäten und das nötige Fachpersonal vorhanden sind, können wir gemeinsam mit den Pfleger*innen, den vielen Ehrenamtlichen, die sich so liebevoll um die Tiere kümmern, und den Mitgliedern, die Spenden für die Hilfe vor Ort sammeln und selber mal in andere Länder fliegen um dort Einsatz zu zeigen, viel erreichen!

Janet Bernhardt