Vorstände kommen und gehen

Vom stillen Mitglied zur Opposition

Vorstände kommen und gehen
Opa Pascha profitierte lange von den regelmäßigen Gassirunden.

Ich bin seit rund 23 Jahren Mitglied im Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. und ich habe schon einige Vorstände kommen und gehen sehen. Auch ich war wie viele andere jahrelang ein eher stilles Mitglied. Ich habe die „ich&du“ gelesen, bin zu den Mitgliederversammlungen gegangen, aber ansonsten habe ich mir weiter keine großen Gedanken um den HTV gemacht. So, wie ich damals dachte, denken sicher viele andere der über 5.000 Mitglieder noch heute. Über 200 Mitglieder bei der letzten Mitgliederversammlung muss man schon als Rekord bezeichnen und wenn zirka die Hälfte aller Mitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, ist das bereits ein Erfolg.

Schon sehr früh machte ich mir Gedanken über Tierversuche und die Haltung von Hühnern, Rindern und Schweinen. Für den damaligen Vorstand waren das aber noch keine Themen. Dann kam das Jahr 2000 und damit der Super-Gau für Hunde bestimmter Rassen (meine Gedanken waren und sind immer noch bei den Eltern des kleinen Volkan). Von jetzt auf gleich wurden Hunde bestimmter Rassen in Hamburg als gefährlich eingestuft und mussten einen Maulkorb tragen. Ich erinnere mich noch, dass Maulkörbe in den Zoogeschäften innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren.

Hunderte von Hunden wurden ihren Haltern weggenommen und in den Zwingern der Süderstraße oder der Harburger Hallen weggesperrt –  vom Welpen bis zu einem zahnlosen alten Pitbull. Traurige Tatsache: Der damalige Vorstand des HTV unter Leitung von Wolfgang Poggendorf hat kräftig mitgemischt. Seit dieser Zeit schaue ich genauer hin, was im HTV vorgeht und ich war heilfroh, als die Ära Poggendorf endlich zu Ende ging.

Der neue Vorstand unter dem Vorsitz von Dr. Gabriele Waniorek-Görke war für mich und viele andere HTV-Mitglieder ein echter Hoffnungsträger. Es herrschte sowas wie Aufbruchstimmung im Verein. Erstmals durften Ehrenamtliche mit den Hunden Gassi gehen und ich persönlich konnte etlichen in der Süderstraße einsitzenden Listenhunden dabei helfen, vermittlungsfähig zu werden. Es war eine aufregende und arbeitsreiche Zeit. Damals verbrachte ich mindestens vier Tage in der Woche im Tierheim, organisierte für den HTV eine große Demo in Hamburg für die Listis und war mit anderen Mitgliedern zu Infoständen unterwegs, um über die Listis aufzuklären und Werbung für den HTV zu machen.

Schließlich lief mir meine jetzige Hündin über den Weg: Im Tierheim geboren, Angsthund, Wesenstest nur so eben bestanden. Sie war die letzte des Wurfes und keiner wollte sie haben. Mein Mann und ich haben uns dann außerhalb Hamburgs umgesehen und auf Anhieb ein Haus zur Miete gefunden, in dem wir ihr ohne Auflagen ein neues Zuhause geben konnten. Allerdings konnte ich nun nicht mehr Gassi gehen, deshalb nahm ich die Möglichkeit gerne wahr, die Facebook-Seite „Katze Lissy und ihre obdachlosen Freunde“ für den HTV zu betreuen.

Zur Mitgliederversammlung 2016 gab es die ersten kritischen Fragen an den Vorstand, in dem inzwischen Sandra Gulla den Vorsitz übernommen hatte. Auch ich stellte einige nicht so bequeme Fragen und schon zwei oder drei Wochen nach dieser Mitgliederversammlung wurde ich als Administrator der Facebook-Seite entfernt, so dass ich sie nicht mehr betreuen konnte. Seit 2017 passiert auf der Seite nicht mehr viel – schade, immerhin hatte ich sehr viel Zeit in die Seite investiert und eine Menge Menschen erreicht, die bis dahin nichts oder kaum etwas von Streunerkatzen in Hamburg wussten. Ein-, zweimal habe ich dem Vorstand seither meine ehrenamtliche Unterstützung angeboten, es aber inzwischen aufgegeben. Das macht mich traurig, aber keineswegs rachsüchtig – wie es der Vorstand vielen ehemaligen Ehrenamtlichen unterstellt. Ich habe auch nichts gegen Auslandstierschutz und war auf allen Demos, die gegen das Töten der Straßenhunde in Rumänien organisiert wurden, am Infostand vor Ort. Doch man sollte den Fokus nicht allein auf Rumänien legen. Überall in Europa – angefangen bei den schrecklichen Tötungen von „ausgedienten“ Galgos in Spanien, über Streuner in Italien, Bulgarien oder auf Zypern – gibt es unsägliches Tierleid. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es vornehmlich um die Hilfe vor Ort gehen kann und auf die Politik in diesen Ländern eingewirkt werden muss. Hundeimporte sollten die Ausnahme bleiben.

Und ja, ich bin absolut dafür, wenn ein Tierschutzverein die Vorreiterrolle bei vegetarischer oder veganer Ernährung übernimmt. Nur so kann man aufklären und die Menschen zum Umdenken bewegen. Andersdenkende als „schlechte Tierschützer“ zu diffamieren, halte ich dagegen nicht für zielführend.

Insgesamt kommen mir einige Themen unter dem amtierenden Vorstand zu kurz: Katzen, Reptilien, Kleintiere und allen voran, die Listenhunde, die nach wie vor keine Chance auf ein neues Zuhause innerhalb Hamburgs haben. Aber das ist meine ganz persönliche Ansicht und nicht der Grund, warum ich mich innerhalb der „Freunde vom Hamburger Tierschutzverein“ engagiere. Noch viel wichtiger ist mir,

  • dass ein guter Vorstand andere Meinungen zulässt und auch mit Kritikern in einen Dialog eintritt
  • dass ein guter Vorstand eng mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zusammenarbeitet, um gemeinsam mit motivierten und geschätzten Beschäftigten guten Tierschutz umzusetzen.

Denn nur so kann wirklich guter Tierschutz tatsächlich zustande kommen!

Hannelore Herrmann