Wer entscheidet, ob man ein guter Tierschützer ist?

Gina hat die Schwimmstunden immer genossen.

Mein Name ist Ralf Hegmann und ich war ehrenamtlich aktiv im Hamburger Tierschutz Verein. Jetzt kann ich schon einige wenige Mitglieder hören „ach der Hegmann, der ist sauer, weil er nicht zur Wahl antreten durfte“; „der ist kein Tierschützer“; „der hat persönliche Probleme mit dem Vorstand“. Dafür habe ich inzwischen nur noch ein müdes Lächeln über! Wer entscheidet eigentlich, wann man ein guter Tierschützer ist und ab wann sind vereinsinterne Differenzen persönliche Probleme?!

Ich stelle mich seit 2016 in den Fokus, um dem Verein, dessen Tieren und Mitarbeitern zu helfen. Vieles musste ich in der Zeit schon erleben. Von persönlichen Beleidigungen, ich sei ein Nazi, ein Rassist etc., bis hin zu gezielten Angriffen auf meine Projekte für behinderte Menschen durch Freunde & Verwandte des Vorstandes. Sogar ein SS-Zeichen wurde mir an den Briefkasten geschmiert. Auf der letzten Mitgliederversammlung bin ich angegangen worden von einer Person aus dem Umfeld des Vorstandes.

Warum tue ich mir das an?

Tayson Clown hat sich Ralf sogar auf den Arm tätowieren lassen.

Spulen wir mal zurück. Ich bin damals über einen Pflegehund zum ehrenamtlichen Gassigehen gekommen. Mein erster Hund dort war Tobi, ein Dalmatiner-Mix-Opa, der genau wusste, wie er seine Gassigeher erziehen musste.

Später habe ich dann mit dem American Bulldog Pascha und der Carne Corso Hündin Rita meine Runden gedreht und habe mit Rita Ausflüge gemacht, um dem Tierheimalltag zu entfliehen.

Man kann schon sagen, dass ich in mein heutiges Herzprojekt gestolpert bin. Ich hörte, dass gerade bei den Kategorie-1-Hunden (Listenhunden) Gassigeher-Mangel besteht. Deshalb fragte ich bei den zuständigen HTV-Mitarbeitern an und wurde gerne angenommen.

Ich habe viel Zeit mit den „Bollerköpfen“ verbracht und sogar einen eigenen Schlüssel erhalten, um selbst die Hunde aus den Zwingern holen zu können. Das zeigt, welch großes Vertrauen in mich gesetzt wurde, da ich auch außerhalb der Zeiten kommen durfte und dafür sorgte, dass fast jeder Kategorie-1-Hund einmal am Tag wenigstens für ein paar Minuten rauskam.

Ich betrieb für den HTV die Facebook-Seite „Maggie Listenhund“, die inzwischen auf Betreiben der 1. Vorsitzenden, Frau Gulla, gelöscht wurde.

Den bekanntesten Tierheim-Bewohner, Tayson Clown, habe ich mir sogar auf den Arm tätowieren lassen. Mit der inzwischen ergrauten Gina Schwimmstunden genommen und mit dem Bär Tosun geknuddelt. Capo, Flash, Lady, Olli und und und.

Bommel, wer sich an ihn erinnert, weiß wie sehr ihm der Alltag im Tierheim geschadet hat! Ich habe ihm seinen Tick, Steine und Co. zu sammeln, abgewöhnt und er nahm seine Umwelt wieder wahr. Bei seiner Vermittlung habe ich mit seiner neuen Familie viel gesprochen und ihn später noch oft besucht.

Das Schönste, was mir passierte, war eigentlich, dass die X-Herder Hündin Hydra sich in mich verliebte. Kein anderer Gassigeher durfte mit ihr gehen. Sie ist mein Traumhund und inzwischen glücklich vermittelt. Es brach uns beiden das Herz, als ich nicht mehr Gassi gehen durfte … warum?!

Am 9. Juni 2016 erhielt ich eine E-Mail von Frau David (heute Tierheimleitung, damals noch Hundeschulleitung):

Hallo Ralf,

aufgrund der Entwicklungen in der letzten Zeit sehen wir keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Dir. Deshalb verzichten wir ab sofort auf Deine ehrenamtliche Tätigkeit als Gassigeher.

Für Deine Unterstützung in der Vergangenheit bedanken wir uns auch im Namen der Hunde. 

Alles Gute für Deine Zukunft

 

Hab’ ich die Hunde misshandelt? Was hab‘ ich „verbrochen“, dass man auf meine Hilfe verzichtet? Die Antwort auf diese Fragen: Ich habe auf der Mitgliederversammlung 2016 kritische Fragen gestellt, nach genauen Zahlen für Projekte und dafür verwendete Spenden gefragt. Dieses Recht hat jedes Mitglied.

Sven Frass schrieb mir am 18. April 2016 folgte Worte als E-Mail:

Lieber Ralf,

da Du deutlich gemacht hast, dass aus Deiner Sicht die Öffentlichkeitsarbeit des HTV mangelhaft und nicht zielorientiert ist, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Team der Öffentlichkeitsarbeit und dem amtierenden Vorstand massiv geschädigt. Daher verzichten wir zukünftig auf Deine Tätigkeit als Administrator der Facebookseite „Maggie Listenhund“.

Wir danken Dir aber selbstverständlich für Deine ehrenamtliche Unterstützung, die Du in der Vergangenheit in diesem Bereich geleistet hast.

Liebe Grüße,

Sven.

Auffällig, dass man direkt nach der Mitgliederversammlung auf meine Hilfe verzichtet. Ich sollte aber ein wichtiges Detail in meiner Geschichte nicht vergessen:

2016 wollte ich als Vorstandskandidat zur Wahl antreten. Laut Satzung fehlten mir dazu 20 Tage Vereinszugehörigkeit. In so einem Fall kann der Vorstand aber durch Bestätigung der ehrenamtlichen Arbeit die Zulassung zur Wahl problemlos ermöglichen.

Es folgte ein Gespräch mit Frau Gulla in dessen Verlauf sie mir mitteilte, sie würde meine Wahl zulassen, wenn ich ihrer Linie folgte und wenn überhaupt, dann jedoch nur als Beisitzer. Ich war doch sehr perplex! Eine einzelne Person trifft Entscheidungen für den gesamten Vorstand?! Dennoch hörte ich mir ihre Vorstellungen an und traute meinen Ohren nicht, als sie mir erklärte:

Ihr seien die Tiere wichtig und Menschen egal. Sie könne die ausgebildeten Tierpfleger durch 400-Euro-Kräfte ersetzen.

Ralf hat viel Zeit mit den „Bollerköpfen“ verbracht.

Ich musste mich entscheiden: Mich als künftiger Ja-Sager zur Wahl stellen oder dagegen vorgehen. Für eine Klage auf Zulassung fehlte die Zeit. Also verzichtete ich. Ich schätze die Tierschutzarbeit von Frau Gulla, aber Menschenführung ist offensichtlich nicht ihre Stärke!

Seit 2015 erlebte ich mehrfach, dass Mitarbeiter trotz vorbildlicher Leistungen in ihrem Fachgebiet strafversetzt worden sind. Andere wurden gekündigt und per sofort beurlaubt bei vollen Bezügen. Klagen dagegen vor dem Arbeitsgericht durch mehrere Instanzen trieben die Kosten (die natürlich – ebenso wie die Gerichts- und Anwaltskosten – von Spendengeldern bestritten werden) in schwindelerregende Höhen. Keine einzige dieser Klagen konnte vom HTV gewonnen werden! Verträge sehr kompetenter Mitarbeiter wurden nicht verlängert. Das sind Zustände, die nicht tragbar sind und schlussendlich die Tiere treffen, die aufgrund der extrem angespannten Personalsituation schon längst nicht mehr artgerecht betreut werden können. Die Pfleger tun ihr Bestes, aber selbst für ein paar liebevolle Streicheleinheiten ist neben der täglichen Arbeit gar keine Zeit mehr!

Unter der Leitung des BGB Vorstandes wird keine Kritik geduldet und Mitarbeiter wegen missliebiger Äußerungen abgestraft. Fortlaufend werden Entscheidungen getroffen, die nachhaltig dem Verein, den dort arbeitenden Menschen und den Tieren schaden.

Es müssen grundlegende Veränderungen erfolgen, wenn der HTV nicht kaputt regiert werden soll. Auch wenn 2020 ein neuer Vorstand gewählt wird, so ist aktuell doch die Zeit unser größtes Problem:

Jahrzehntelang beim HTV beschäftigte Tierpfleger haben entnervt gekündigt. Andere gingen/gehen in den Ruhestand. Neu eingestellte Kräfte verlassen den HTV nach kurzer Zeit wieder – und mittlerweile kommen gar keine qualifizierten Tierpfleger mehr nach, weil sich die schlechten Arbeitsbedingungen herumgesprochen haben.

Ein Problem, welches vor allem die Tiere täglich trifft und die am meisten darunter leiden!