Woran mich das alles erinnert

Gedanken zum Hamburger Tierschutzverein

Fragen über Fragen
Fragen über Fragen… Foto: Gerd Altmann/Pixabay

In den letzten Wochen habe ich mir sehr viele Gedanken zum HTV gemacht. Vieles ist mir zu Ohren gekommen, teils durch die Presse, teils durch Mitarbeiter und Ehrenamtliche aus dem Tierheim Süderstraße. Es sind nicht die ersten kritischen Stimmen über die Führung des HTVs, doch was aktuell passiert, macht mich fassungslos. Daher möchte ich hier meine Gedanken veröffentlichen. Die Frage ist nur, womit fange ich an, es ist so viel.

Wenn ich die Nachrichten schaue und der Mann aus Amerika mit dem Goldhamster auf dem Kopf mal wieder „Fake News“ in die Kamera brüllt, drängen sich in meinem Kopf Vergleiche auf. Er bemüht sich nicht einmal Anschuldigungen zu widerlegen, sondern behauptet stur, alles was die kritische Presse oder die Opposition behaupten, seien Lügen.  Warum muss ich dabei gleich an den HTV denken?

Gleichschaltung der internen Medien

Ich lese Berichte über die Verfolgung der Presse, das Gleichschalten der Medien und der Justiz in der Türkei. Ich erfahre, dass immer noch jede Menge Journalisten in Gefängnissen sitzen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen. Dass Menschen, die sich in den sozialen Medien kritisch gegen die Regierung ausgesprochen haben, bei der Einreise verhaftet oder verfolgt wurden. Und schon wieder muss ich an den HTV denken. Wurden dort in den letzten Jahren nicht auch fast alle Führungspositionen mit Menschen besetzt, die dem Vorstand treu ergeben sind und Kritiker versetzt, entlassen oder in den vorzeitigen Ruhestand geschickt? Neuerdings werden gegen Mitglieder, die sich kritisch äußern, Ausschlussverfahren eingeleitet und so mancher Ehrenamtliche, der sich vermeintlich despektierlich geäußert hat, hat sein Ehrenamt verloren. Dabei stehen alle öffentlichen Organe wie die Webseite, die Facebook Seite oder das Mitgliedermagazin unter der Kontrolle des Vorstandes. Wieso nur muss ich dabei an die Gleichschaltung der Presse in der Türkei denken?

Von Vorstandsseite ist immer wieder zu hören, „Kritiker sollten doch Kontakt zum Vorstand suchen und dort ihre Kritik vortragen.“ Mal ganz ehrlich, wenn jemand im HTV mitbekommt, dass kritische Ehrenamtliche oder Mitarbeiter*innen „aussortiert“ werden, wer bringt dann noch den Mut auf, sich überhaupt zu äußern? Schließlich besteht für jeden Kritiker die unmittelbare Gefahr, in Zukunft nicht mehr das tun zu können, wofür er angetreten ist, den Tierschutz.

Diesen Mut haben nicht viele und das kann ich auch sehr gut verstehen. Aber einige stehen auf, machen den Mund auf – und es werden immer mehr. Richtig, sie machen es öffentlich! Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Und sie haben die Hoffnung, dass sich in absehbarer Zeit etwas ändern wird, damit alle, die sich im HTV für den Tierschutz engagieren wollen, dies auch tun können.

Von Anhängern dominiert

Wer an den HTV-Mitgliederversammlungen der letzten Jahre teilgenommen hat, konnte einen schleichenden Prozess verfolgen. Immer öfter wurden Anträge von Kritikern nicht zugelassen und kritische Äußerungen von Anhängern des Vorstandes niedergebrüllt. An diesen Mitgliederversammlungen haben meist weniger als fünf Prozent der über 5.000 Mitglieder teilgenommen. Und mir drängt sich die Frage auf, wie es dem Vorstand gelungen ist, dass die meisten Abstimmungen so ausgegangen sind, wie es sich der Vorstand erhofft hatte?  Auffällig ist, dass seit Amtsantritt der 1. Vorsitzenden ungewöhnlich viele Menschen aus Nordrhein-Westfalen, der Heimat der 1. Vorsitzenden, oder mit dem HTV verbandelten anderen Vereinen (in einem dieser Vereine hat die 1. Vorsitzende des HTV  ganz „zufällig“ auch den Vorsitz) eingetreten sind und vollzählig zu den Mitgliederversammlungen anreisen. Kann es da einen Zusammenhang geben?

Viele dieser „auswärtigen“ Mitglieder stören lauthals die Redebeiträge langjähriger Mitglieder und es kommt mir so vor, als würden die 1. und die 2. Vorsitzende dieses Verhalten mit einem zufriedenen Lächeln aufnehmen, statt einzugreifen. Die 1. Vorsitzende lässt sich sogar dazu hinreißen, kritische Mitglieder als „Pöbler“ zu bezeichnen, wie es mir am 6. April 2019 in der Süderstraße passiert ist. Warum nur drängen sich dabei Vergleiche zu Debatten und Wahlergebnissen in China, Nord-Korea oder der Türkei auf? Ich möchte hier gar nicht von „Gutsherrenmanier“ sprechen, für mich hat es den Anschein von Diktatur. Und die Worte Verein und Diktatur passen einfach nicht zusammen.

Michael Wahlert