Auslandstierschutz

Hunde Import – ein heißes Eisen

Auslandstierschutz im HTV

Wer sich mit dem Thema „Tierschutz“ befasst, wird auch mit erschreckenden Bildern von Tieren aus dem Ausland konfrontiert. Ein erster Gedanke: „Rettet diese Tiere und holt sie zu uns!“ Das ist vollkommen verständlich, aber ist das immer der richtige Weg?

Gezielt auf Hunde in Rumänien angesprochen: Ja, es gibt Elend, vor allem in den zusammengepferchten Sheltern, in welche die Hunde verbracht werden. Welcher Hund allerdings wirklich ohne Besitzer ist und nicht nur frei auf der Straße lebt, das wird häufig falsch wahrgenommen. Und dann ist da ja auch noch die Rede von laufenden Tötungen, angeordnet durch die Obrigkeit. Ist das wirklich so? Ist das die Lösung des Problems: alles einfangen und zusammensperren? Oft ergeben sich daraus leider andere Probleme:

  • Krankheiten, die in direkter Übertragung stehen
  • Beißvorfälle, weil die Hunde es gewohnt sind, ihre Ressourcen zu verteidigen, aber in Zwingern kaum ausweichen können.

Wie können wir helfen? Alle retten? Der Gedanke drängt sich auf, ist nachvollziehbar und natürlich für das einzelne Individuum ein Glücksfall. Aber eine Lösung des Problems ist das nicht, denn jede Lücke auf der Straße füllt sich sofort. Das ist zum Erhalt der Art biologisch auch so vorgesehen! In Anbetracht nicht unendlicher finanzieller Mittel und auch nicht unendlich viel Manpower: Welche Alternativen gibt es, um möglichst vielen Tieren zu helfen?

  1. Die Konzentration auf einen zielgerichteten Einsatz des Geldes, das heißt vor Ort kastrieren.
  2. Der Bevölkerung helfen, ihre eigenen Lebensumstände drastisch zu verbessern und ihnen dabei das Wissen und auch die Möglichkeiten zur Selbsthilfe zuteil werden lassen.
  3. Arbeit an der Politik, ein Weg, der unendlich lang ist und leider immer wieder stark frustriert. Zuerst Gehör bei unseren Abgeordneten finden, dann Gedanken in das EU Parlament tragen und dann den rumänischen Staat überzeugen. Parallel dazu: Direkter Kontakt vor Ort kann auch direkter wirken, zumindest regional.

Dies sind nur ein paar Fakten zum Thema was der Tierschutz erreichen kann, wenn er realistisch und nicht nur emotional geleitet gehandhabt wird. Siehe das Projekt Odessa des Deutschen Tierschutzbundes. Es schafft nachhaltigen Tierschutz und nicht nur die Rettung Einzelner.

Aus dem HTV sind bisher 576 Hunde bekannt, die für ein gespendetes Ausreiseticket von 150 Euro nach Hamburg gekommen sind. Es wurden also 86.400 Euro gespendet, um 576 Hunde zu retten, verbunden mit jeweils einer Kastration vor Ort durch ProDog Romania à 21 Euro. Für 86.400 Euro hätten in Rumänien 3.538 Hunde kastriert werden können.  Das ergibt bei nur zwei Würfen pro Jahr und Hündin à fünf Welpen rund 35.000 mal verhindertes Leid - wenn man das Geld und die Möglichkeiten anders ansetzt! Zwar wäre bei diesem Rechenbeispiel die Außenwirkung nicht ganz so spektakulär, wie die Fotos geretteter Hunde, wenn die Transporte Hamburg erreichen, aber die Hilfe käme wesentlich mehr Tieren zugute.

Um dieses komplexe Thema mit allen Facetten aufzuzeigen fehlt hier der Platz. Wir verweisen daher auf einen Bericht von TASSO e.V. in dem auf die Problematik ausführlich eingegangen wird. Die von TASSO e.V. ausgearbeiteten Problemlösungen spiegeln unsere Bestrebungen 1:1 wider:

  • Gesetzliche Veränderungen für eine nachhaltige und humane Lösung des Straßenhundeproblems
  • Gezielte Unterstützung von Tierheimen durch deutsche Partner, um eine funktionierende Tierheimstruktur zu schaffen
  • Schließung von reinen Tötungsstationen
  • Abschaffung von Kopfprämien für Hunde
  • Hilfestellung für die einkommensschwache Bevölkerung bei der Kastration, Kennzeichnung und Registrierung ihrer Tiere

Fazit: Die Freunde vom Hamburger Tierschutzverein stellen sich keinesfalls gegen die Rettung von Einzelindividuen, aber Fragen nach dem Einsatz der Mittel dürfen nicht tabu sein. Dazu gehören auch Fragen nach zum Teil hohen Tierarztrechnungen, die bei externen Tierärzten anfallen, um Krankheiten wie Herzwürmer behandeln zu lassen. Diese müssen auf Nachfrage detailliert beziffert werden. Grundsätzlich stellt sich aber auch die Frage, ob ein Hund, genetisch disponiert auf das Habitat Straße in Rumänien, in einer Großstadt wie Hamburg heimisch werden kann. Wegen solcher Überlegungen vermittelt der HTV auch keine ehemals wildlebenden Katzen, sondern bringt sie nach der Kastration zurück in ihr altes Revier.