Hilferufe aus dem Tierheim

Hilferufe von den Beschäftigten

Hilferuf der Beschäftigten

Bereits am 8. Februar 2019 ging ein Hilferuf der Mitarbeiter*innen des Tierheims des Hamburger Tierschutzvereins an den Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, Falko Droßmann, die Bürgerschafts-Präsidentin Carola Veit und die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, der den Freunden vom Hamburger Tierschutzverein vorliegt und der jetzt an dieser Stelle veröffentlicht werden darf: 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Gegensatz zu der sehr wirkungsvollen Außendarstellung der Öffentlichkeitsarbeit/Pressestelle des HTV, bestehen hinter den Kulissen des Tierheimes große Probleme, auf die wir Sie auf diesem Weg aufmerksam machen wollen.

Das Tierheim ist chronisch überbelegt, während gleichzeitig der Personalbestand an ausgebildetem Pflegepersonal stetig gesunken ist.

Gegenüber früheren Jahren hat sich der Tierbestand deutlich erhöht. Schwer vermittelbare Tiere (alt, krank, verhaltensauffällig etc.) mit besonderem Betreuungsbedarf sind mehr und mehr geworden. Auch reduziert die restriktive Abgabepolitik des Vorstandes die Vermittlungschancen zusätzlich. Der Vorstand hat eine sehr persönliche Überzeugung, was richtiger „Tierschutz“ bedeutet und sorgt dafür, dass die Ressourcen das Tierheims stets in erster Priorität für diese Ziele eingesetzt werden.

An erster Stelle ist hier die Aufnahme von Hunden aus Rumänien zu nennen. Hierfür wird weder an Platz, Arbeitszeit noch an Geld gespart. Zwar bringen diese Hunde angeblich hohe Spendeneinnahmen, anderseits sind sie sehr oft von Reisekrankheiten betroffen. Die notwendigen und aufwendigen Spezialbehandlungen werden in umliegenden Spezialkliniken auf Vereinskosten veranlasst.

Auch die Verhaltensauffälligen bei diesen Hunden sind an der Tagesordnung und erfordern intensivere Betreuung als für einheimische Hunde. Der Personalbestand wurde daher in der Abteilung „Auslandtierschutz“ aufgestockt, während in anderen Abteilungen der Personalmangel stetig zunimmt.

Die Personalpolitik von Vorstand und Tierheimleitung ist geprägt von Ausbeutung, Unterdrückung, Bedrohung und Mobbing. Es herrscht ein Klima des Misstrauens und der Angst, dem sich viele Kollegen psychisch immer weniger gewachsen fühlen.

In den Jahren zwischen 2016 und 2018 sind 21 Kollegen ausgeschieden. Davon fünf Tierärzte, vier weitere Kollegen wurden gekündigt, zwei Kollegen sind bei vollen Bezügen freigestellt (Stand März 2019: Seit 14 Monaten bzw.  10 Monaten). Die restlichen Kollegen sind mehr oder weniger von selbst gegangen.

Zur Zeit läuft noch ein Arbeitsrechtsverfahren, drei weitere Verfahren sind durch Urteile zugunsten der Mitarbeiter oder durch Vergleich beendet worden. Ein weiteres Verfahren ist durch den Beschluss vom Landesarbeitsgericht Hamburg entschieden.

Waren wir früher fest 55 Vollzeitpfleger, so besteht der Kollgenpool nur noch aus 44 Tierpflegern. Ein Zustand, der mittlerweile dazu geführt hat, dass die Tiere nicht angemessen versorgt werden können und teilweise Schaden genommen haben.

Wir wissen sehr wohl, dass diese Probleme im Verein über den Weg der Mitgliederversammlung geändert werden könnten. Dort müssten die Konsequenzen des Vorstandshandelns den Mitgliedern vor der Entlastung detailliert vorgestellt, hinterfragt und dann zur Entscheidung gestellt werden.

Leider haben wir bisher nicht die Möglichkeit über die Tagesordnung die kritischen Punkte mit den dazugehörigen Hintergrundinformationen diskret allen Mitgliedern vorab zur Kenntnis zu geben. Der einzige Weg, den wir hierfür momentan sehen, ist die allgemeine Mobilisierung der Vereinsmitglieder über Presse und soziale Medien.

Unseren Tieren und dem Tierheim fühlen wir uns aber immer noch sehr verbunden und möchten einen Skandal, wie in der Vergangenheit bereits einmal geschehen, gern vermeiden. Wir gehen davon aus, dass auch Sie nicht möchten, dass das Tierheim schon wieder im Mittelpunkt negativer Schlagzeilen steht. Weiterhin müssten Sie doch auch Interesse an einem seriösen Vertragspartner haben, bei dem Sie die von den Behörden sichergestellten Tieren, die Fund- und Abgabetiere gut aufgehoben wissen.

Aus diesem Grund wenden wir uns an Sie, mit der Bitte um Hilfe. Bitte sehen Sie nicht weg, sondern suchen Sie gemeinsam mit uns nach einer konstruktiven Lösung.

Mit herzlichen tierlieben Grüßen aus dem Tierheim

Die meisten Mitarbeiter*innen des Tierheims stehen hinter diesen Brief. Die Namen der Unterzeichner*innen sind hinterlegt, werden zum Schutz der Mitarbeiter*innen, die Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenzen haben, nicht veröffentlicht.

Update 22. Juni 2019:

Die Echtheit dieses Briefes wurde immer wieder in Zweifel gezogen. Nun liegt den Freunden vom Hamburger Tierschutzverein die Antwort der Behörde für Gesundheit und Arbeitsschutz vor: