Mitarbeiter*innen

Hilferuf aus dem Tierheim

Wegen der stetigen Warnungen, dass Spenden und Erbschaften ausbleiben, wenn’s kracht, haben viele Mitarbeiter*innen lange geschwiegen. Doch man kann auf die Zurschaustellung einer heilen Welt für das Außenfeld irgendwann keine Rücksicht mehr nehmen. Es geht zu viel im Inneren kaputt. Nicht nur seelisch, auch körperlich leiden Beschäftigte: Es gibt täglich Tränen, Wut, Trauer darüber, dass man so ohnmächtig ist und sich ausgeliefert fühlt, so unsicher und ängstlich, eingeschüchtert und mutlos. Viele neu eingestellte Mitarbeiter*innen gehen, bevor sie Fuß gefasst haben.

Bereits Anfang 2019 baten Mitarbeiter*innen schriftlich bei den Behörden um Hilfe. Am 23. Februar 2020 ging ein weiteres Hilfeersuchen in Form eines offenen Briefes mit 32 Unterschriften von Tierpfleger*innen und (Ex-)Mitarbeiter*innen an Behörden und Politik.

Kosten durch Arbeitsgerichtsprozesse und Freistellungen, die nicht den Tieren zugute kommen

Von 2016 bis Anfang März 2020 sind ca. 55 Mitarbeiter*innen - darunter fünf Tierärzt*innen - ausgeschieden:

  • zwölf Mitarbeiter*innen wurde gekündigt
  • drei Mitarbeiter*innen wurden bei laufenden Bezügen freigestellt
  • der Rest (ca. 40!) ist mehr oder weniger freiwillig selbst gegangen.

Vier Verfahren vor dem Arbeitsgericht sind zugunsten der Mitarbeiter*innen oder durch einen Vergleich beendet worden.

Von ehemals 55 ausgebildete Tierpfleger*innen bei durchschnittlich 1.000 Tieren ist das Personal auf 33 ausgebildete Tierpfleger*innen bei aktuell ca. 1.300 Tieren zurückgegangen. Die Differenz von 22 bei um fast 30 Prozent höherem Tierbestand versucht die Tierheimleitung mit elf (Stand Anfang März 2020) Helfer*innen und Auszubildenden zu kompensieren.

Ein Zustand, der eine angemessene Versorgung der Tiere im Tierheim in der Süderstraße nicht mehr gewährleisten kann! Durch die permanente Überforderung kommt es beim Pflegepersonal gehäuft zu Fehlern, die teilweise zu schweren Verletzungen bei den Mitarbeiter*innen führen. Aber auch die Tiere leiden vermehrt durch z.B. Beißvorfälle, falsche oder versäumte Medikamentengabe und die aus Zeitmangel fehlende Zuwendung.

Der harte Kern der Beschäftigten tröstet sich: Vorstände kommen und gehen! Sie kennen das. Sie kannten, sagen sie, aber nie so ein Ausmaß an Diskreditierung, Demütigung, Denunziation, Anstiftung zum Mobbing und des Missbrauchs jeglichen Vertrauens. Doch wenn Unbehagen und Angst den Arbeitsalltag bestimmen und Stress erzeugen, geht das auch zu Lasten der Tiere.

 

Der Beitrag wurde am 3. März 2020 aktualisiert.